Es bietet sich in Bezug auf die Sommerferien in Deutschland Jahr für Jahr das gleiche Bild. Während in einigen Bundesländern die Ferien gerade begonnen haben, müssen die Kinder und Jugendlichen in anderen Regionen Deutschlands schon wieder die Schulbank drücken. Das ist vor allem dann undankbar, wenn der Ferienbeginn noch im vergleichsweise kühlen Juni liegt, die Schule aber mit dem heißesten Monat, dem August, wieder beginnt. Die trockene Hitze der Börde in Sachsen-Anhalt beispielsweise ist alles andere als Motivation zu lernen. Genau genommen haben wir es in Bezug auf die Ferienverteilung mit einem klassischen Nord-Süd-Gefälle zu tun. Je weiter nördlich, um so früher ist meist der Ferienbeginn. Je weiter südlich wir uns umsehen, umso später ist “die Schule aus”. Die Diskussion um eine Harmonisierung respektive eine echte Rotation hatte in den 70er Jahren ihren Höhepunkt, scheiterte aber grundsätzlich an Bayern und Baden-Württemberg. Die Frage ist, warum.
Bayerns Argument ist die Landwirtschaft
In Bayern gab es im Jahr 2023 laut Destatis 81.560 landwirtschaftliche Höfe, in Baden-Württemberg waren es 37.500. Die sind gefühlt fast 50 Prozent der 255.010 deutschlandweit existierenden Betriebe (Quelle: Destatis). Über 90 Prozent der bayerischen Betriebe gelten als „familiengeführt“ (Quelle: Agrarheute). Die Frage, was dies mit den Schulferien zu tun hat, ist aus bayerischer Sicht leicht beantwortet. Die Kinder der Landwirt*innen müssen von jeher bei der Ernte behilflich sein. Was liegt also näher, als die Schulferien so zu legen, dass sie mit der Haupterntezeit korrelieren. Auch wenn die Hamburger Kultusverantwortlichen von der Argumentation wenig begeistert waren, konnten sie wenig dagegen halten – es ist etwas dran.
Losgelöst vom süddeutschen Erntethema hebt der ADAC von jeher warnend seine Finger. Ein einheitlicher Ferienbeginn in Deutschland würde den Verkehr zum Erliegen bringen, ein Verkehrskollaps unvorstellbaren Ausmaßes sei die Folge. Ist das so? Gehen wir doch einmal über den Wirkungskreis des ADAC hinaus.
Einheitlicher Ferienbeginn in Europa keine Seltenheit
Schauen wir doch direkt zu unserem südlichen Nachbarn Österreich. Die Sommerferien im Jahr 2025 sind für die Zeit vom 28. Juni bis zum 31. August terminiert. Bricht der Verkehr in Österreich deswegen zusammen? Ja er bricht zusammen. Aber nicht wegen des einheitlichen Ferienbeginns in den Bundesländern, sondern aufgrund der Transitreisenden, die Brenner, Tauern- und Katschbergtunnel an die Grenzen der Belastbarkeit bringen.
In Frankreich kann man zu Beginn der Ferien in der Ile de France schon einmal im Stau stehen, aber mit Verlaub, der Großraum Paris ist auch im Mai kein verkehrstechnischer Ponyhof. Frankreich hat für alle Departements im Jahr 2025 die Sommerferien für die Zeit vom 6. Juli bis zum 31. August festgelegt. Es funktioniert.
Blicken wir zum Schluss noch auf Italien. Hier beginnen die Sommerferien nicht absolut einheitlich über die Regionen hinweg, die Abweichungen liegen bei drei, vier Tagen. Spannend wird es auf dem Apennin aber nur in der Woche vor Ferragosto, dem heiligen 15. August. In dieser Woche ist Italien auf den Rädern, heftige Staus müssen eingeplant werden. Vielleicht sollte der ADAC auch mal über seine Deutschlandkarte hinausschauen, bevor dieselbe Warnung gebetsmühlenartig bei jeder Diskussion bezüglich einer Vereinheitlichung des Ferienbeginns eingebracht wird.
Wie wird es in Zukunft mit den Ferien sein?
50 Jahre Diskussion und keine Änderung – Bayern wird auch in 50 Jahren als letztes Bundesland den Ferienbeginn ausrufen, während es im übrigen Deutschland auch weiterhin durchaus leichte Abwechslungen geben wird. Ob allerdings die bayerische Aussage, dass die Kinder als Erntehelfende zwingend benötigt werden, bereits heute noch stichhaltig ist, wird niemand widerlegen können.