Gleiches Ticket, doppelter Preis: In welcher Stadt ist der Nahverkehr am teuersten?

ÖFFI-Ticketpreise in Deutschland

In deutschen Großstädten kostet praktisch dasselbe Nahverkehrsticket je nach Wohnort sehr unterschiedlich viel. Eine klassische Monatskarte für das innere Stadtgebiet reicht von 71,40 Euro in München bis 140,50 Euro in Köln und Bonn, also quasi das Doppelte. Das zeigt der ÖPNV-Preisvergleich 2026 des ADAC, für den die Ticketpreise von 25 deutschen Großstädten verglichen wurden.

Warum die Preise so weit auseinanderliegen

Der zentrale Grund liegt im System. In Deutschland gibt es keinen bundesweit einheitlichen Nahverkehrstarif. Die Preise legen die regionalen Verkehrsverbünde für ihr jeweiliges Gebiet selbst fest. Für die Höhe der Unterschiede nennt der ADAC die unterschiedlich starke öffentliche Förderung des Nahverkehrs vor Ort.

Für den Vergleich erhob der ADAC die Preise im Januar und Februar 2026 direkt auf den Webseiten der Verkehrsverbünde. Verglichen wurden Einzel-, Tages-, Wochen- und Monatstickets für einen Erwachsenen in der Standardversion, jeweils für das innere Stadtgebiet. Ausgewählt wurden 25 Großstädte mit schienengebundenem Nahverkehr und mindestens 300.000 Einwohnenden. Erfurt, Magdeburg und Rostock liegen knapp darunter und wurden aufgenommen, damit auch Thüringen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern vertreten sind. 

Der Abstand zwischen der günstigsten und der teuersten Stadt ist bei jeder Ticketart erheblich. Beim Einzelticket liegt der Durchschnitt bei 3,68 Euro, die Spanne reicht von 2,90 Euro in Erfurt bis 4,20 Euro in Augsburg und München. Beim Tagesticket beträgt der Mittelwert 8,44 Euro, von 6,70 Euro in Bielefeld bis 11,20 Euro in Berlin. Beim Monatsticket liegt der Durchschnitt bei 103,33 Euro.

München: günstigste Monatskarte, teuerstes Einzelticket

Besonders anschaulich ist der Fall München. Die Stadt hat gleichzeitig das teuerste Einzelticket (4,20 Euro, gleichauf mit Augsburg) und die günstigste Monatskarte (71,40 Euro) aller 25 untersuchten Städte. Wer nur gelegentlich fährt, zahlt dort also am meisten, wer regelmäßig pendelt, am wenigsten. Welches Ticket am günstigsten ist, hängt damit nicht allein von der Stadt ab, sondern ebenso davon, wie oft jemand unterwegs ist.

Der neue Maßstab heißt Deutschlandticket

Seit dem 1. Januar 2026 kostet das bundesweit gültige Deutschlandticket 63 Euro im Monat. Es war 2023 mit 49 Euro gestartet, wurde zwischenzeitlich auf 58 Euro angehoben und wird laut der Bundesregierung aktuell von rund 14,5 Millionen Menschen genutzt. Damit hat es das Preisgefüge im Nahverkehr verschoben. Alle 25 klassischen Monatskarten im Vergleich sind teurer als das Deutschlandticket. Selbst die günstigste, die Münchner Monatskarte für 71,40 Euro, liegt darüber, und die teuerste in Köln und Bonn kostet mit 140,50 Euro mehr als das Doppelte.

Dass es die regionalen Monatstickets trotzdem weiterhin gibt, liegt an Zusatzleistungen, die das Deutschlandticket nicht bietet. Dazu zählen etwa die Übertragbarkeit auf andere Personen oder die Mitnahme von weiteren Erwachsenen, Kindern, Fahrrädern oder Hunden. Für Menschen, die diese Optionen nutzen, kann sich eine klassische Monatskarte trotz höheren Preises rechnen.

Steigende Preise, offene Zukunft

Der Trend zeigt nach oben. Gegenüber der letzten ADAC-Erhebung von 2021 sind die untersuchten Monatstickets je nach Stadt um 22 bis 58 % teurer geworden, den stärksten Anstieg verzeichnete Duisburg. Gegen den Trend senkte Hamburg den Preis der Monatskarte um rund 26 %, nach Angaben des Hamburger Verkehrsverbunds als Reaktion auf das Deutschlandticket.

Auch beim Deutschlandticket dürfte es nicht bei 63 Euro bleiben. Ab 2027 soll laut dem NDR ein Kostenindex die Preisentwicklung bestimmen, um die jährliche politische Debatte über den Ticketpreis abzulösen. Für regelmäßige Nutzerinnen und Nutzer bleibt das Deutschlandticket vorerst die günstigste Option, während die großen Preisunterschiede bei den klassischen Tickets zeigen, wie stark der Wohnort noch immer darüber entscheidet, was Mobilität im Alltag kostet.

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