Internationale Migranten: Wer nach Europa kommt

Verteilung von Migrant*innen in Europa.

Mit den massiv angestiegenen Flüchtlingsströmen seit 2015 stellt sich in der EU immer wieder die Frage, wie gerecht die Verteilung der Flüchtlinge ist, welches Land wie viele aufnimmt. Bei der Betrachtung des “Ausländer*innenanteils” im jeweiligen Land geht allerdings häufig ein Aspekt vergessen: Nicht alle ausländischen Mitbürger*innen sind Flüchtlinge, sondern kommen beispielsweise aus beruflichen Gründen in das jeweilige Gastland, und viele bewegen sich innerhalb der EU. Die Betrachtung muss also dahin gehen, wie die Quote der EU-Bürger*innen, die im EU-Ausland leben, gegenüber der Quote der Nicht-EU-Bürger*innen ist.

Spezielle Branchen sorgen für Zuzug aus dem Ausland

Das schillerndste Beispiel stellt Luxemburg dar. Die Bankenmetropole zieht viele Banker*innen aus der EU an, sie migrierten aus beruflichen Gründen nach Luxemburg. Mitarbeitende der UBS oder von J. P. Morgan kommen zwar nicht aus der EU, aber die Schweiz und England gelten nicht als unsichere Herkunftsländer. Die Menschen von dort können nicht als Flüchtlinge eingestuft werden. Um dieses Bild der unterschiedlichen Quoten zu verdeutlichen, hilft die Zahl der gestellten Asylanträge in Luxemburg. Im Jahr 2024 waren es 1.836 bei insgesamt 666.000 Einwohner*innen. Von diesen Anträgen wurden 493 abgelehnt (Quelle: laenderdaten.info). 

Bei Malta verhält es sich allerdings umgekehrt, auch wenn hier in den letzten Jahren ein starker Zuzug europäischer Arbeitnehmenden stattgefunden hat. Die Ursache liegt in der Gambling- und Sportwettenbranche, die von Malta aus ihre Online-Aktivitäten betreibt. Die Malta Gambling Authority sieht viele Dinge im Wett- und Glücksspielgeschäft deutlich entspannter als der Rest der EU. Dem steht allerdings gegenüber, dass Malta aufgrund seiner geografischen Lage für Bootsflüchtlinge eine der wichtigsten Anlaufstationen ist. Den 158.000 externen EU-Bürger*innen standen 2024 rund 115.000 Nicht-EU-Bürger*innen gegenüber. 

Deutschland: Nicht-EU-Bürger*innen leicht in der Überzahl

Betrachten wir einmal die Verteilung von ausländischen Mitbürger*innen in Deutschland entsprechend der Herkunft. Die Zahl der eingewanderten Personen in Deutschland im Jahr 2024  betrug 16.750.084. Sie schließt zwar anerkannte Flüchtlinge ein, berücksichtigt jedoch keine Menschen, deren Asylantrag noch läuft. Die genannte Gruppe macht immerhin rund 20 Prozent der Gesamtbevölkerung aus. Dabei übersteigt der Anteil von Personen, die nicht aus der EU stammen, den Anteil der EU-Bürger*innen leicht um zirka drei Prozent (Quelle: laenderdaten.info). 

Osteuropäische Asylpolitik schlägt sich auch in den Zahlen bei Migrationshintergrund nieder 

Wie sehr sich auch die restriktive Asylpolitik im östlichen und südöstlichen Teil der Europäischen Union niederschlägt, zeigen die Zahlen deutlicher als unsere Grafik. Die niedrigsten prozentualen Anteile von Ausländer*innen an der Gesamtbevölkerung weisen 

  • Slowakei 1,2 %
  • Polen 1,2 %
  • Rumänien 1,2 %
  • Bulgarien 1,86 % 
  • Ungarn 2,6 %

auf (Quelle: ec.europa.eu).

Wen zieht es am meisten ins Ausland?

Spannend ist die Frage, aus welchen EU-Staaten die meisten Menschen in andere EU-Staaten ziehen. An der Spitze sahen wir im Jahr 2024 Rumänien mit fast drei Millionen Menschen, gefolgt von Polen (1,4 Millionen) und Italien (1,3 Millionen). 

Bei den Zuzügen aus dem Nicht-EU-Ausland gibt es eigentlich kaum Überraschungen. Die Ukraine führte temporär kriegsbedingt die Gruppe mit ca. 2,6 Millionen Menschen an, gefolgt von den Dauerbrennern Türkei (1,7 Millionen) und Marokko (1,5 Millionen) (Quelle: ec.europa.eu).  

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