Mehr als 200.000 Menschen wohnen im Ausland und arbeiten in Deutschland. Im Jahr 2024 pendelten rund 202.700 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte aus einem der neun Nachbarländer zum Arbeiten nach Deutschland. Seit 2011 hat sich diese Zahl mehr als verdoppelt.
Lange Wachstumskurve, erster Knick
Der Blick auf die Zeitreihe macht die Entwicklung deutlich. 2011 pendelten noch deutlich unter 100.000 Beschäftigte nach Deutschland ein. Seitdem ist die Zahl stetig gestiegen, mit einer kurzen Unterbrechung durch die Corona-Pandemie. Besonders stark fiel das Wachstum bei Pendlerinnen und Pendlern aus Polen aus, während die Zahlen aus Frankreich über den gleichen Zeitraum zurückgingen. Im Jahr 2024 gingen die Zahlen erstmals seit der Pandemie zurück, um rund 1.100 Personen oder 0,5 % gegenüber 2023. Als mögliche Ursachen nennt das BBSR die verschärften Grenzkontrollen ab Oktober 2023 sowie die schwache Konjunktur im verarbeitenden Gewerbe.
Woher sie kommen und wohin sie gehen
Die mit Abstand größte Gruppe kommt aus Polen. 97.900 polnische Grenzpendlerinnen und Grenzpendler arbeiteten 2024 in Deutschland, das entspricht knapp der Hälfte aller Einpendler. Auf Platz zwei folgt Frankreich mit 41.300 Beschäftigten, auf Platz drei die Tschechische Republik mit 39.400 Personen. Zusammen stehen diese drei Länder für rund 88 % aller Grenzpendelnder nach Deutschland.
Grenzpendeln ist kein flächendeckendes Phänomen, sondern besonders ein regionales. Die Karte zeigt eine dichte Konzentration rund um Saarbrücken, wo sich Pendelnde aus Frankreich und Luxemburg bündeln, sowie entlang der gesamten Grenze zu Polen und Tschechien. Im Süden sind kleinere, aber sichtbare Cluster aus Österreich und der Schweiz erkennbar. In direkt grenznahen Kreisen stellen Einpendelnde aus dem Ausland bis zu 10 % aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten.
Lohn, Logistik und Freizügigkeit
Der anhaltende Zuwachs hat strukturelle Ursachen. Lohnunterschiede zwischen Deutschland und vor allem seinen östlichen Nachbarländern haben über Jahrzehnte starke Anreize geschaffen. Die EU-Freizügigkeit und verbesserte Verkehrsanbindungen haben die Grenzüberquerung für viele erst praktikabel gemacht. Auf der Nachfrageseite zeigt sich ein klares Branchenmuster. Zwei Drittel aller Einpendler arbeiten in nur drei Sektoren: verarbeitendes Gewerbe, Transport und Logistik sowie sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen. Besonders der Transportsektor ist stark gewachsen. Sein Anteil stieg von 6 % im Jahr 2011 auf 22 % im Jahr 2024.
Wie es weitergehen könnte
Solange Lohn- und Lebenshaltungskostenunterschiede zwischen Deutschland und seinen Nachbarländern bestehen, dürfte der langfristige Trend trotz des Rückgangs 2024 anhalten. Gleichzeitig stellt die wachsende Verbreitung von Homeoffice neue Fragen: Wer seltener ins Büro muss, muss auch seltener pendeln. Ob das grenzüberschreitende Arbeitsverhältnisse bremst oder neue Formen ortsunabhängiger Arbeit über Staatsgrenzen hinweg entstehen lässt, bleibt eine der offenen Fragen der kommenden Jahre.