Rund 17 Millionen Menschen, die heute in Deutschland leben, wurden im Ausland geboren. Damit ist Deutschland nach den USA das Land mit der weltweit zweitgrößten im Ausland geborenen Bevölkerung in absoluten Zahlen. Umgekehrt leben rund 4,3 Millionen in Deutschland geborene Menschen dauerhaft im Ausland. Diese doppelte Bewegung zeigt der UN-Datensatz International Migrant Stock 2024, aufbereitet von Our World in Data.
Woher die Menschen kommen
Die größte im Ausland geborene Gruppe stammt aus Polen (1,9 Millionen), gefolgt von der Türkei (1,5 Millionen), der Ukraine (1,4 Millionen) und Russland (1,1 Millionen). Dahinter folgen Rumänien, Kasachstan und Syrien.
Hinter dieser Rangfolge stehen sehr unterschiedliche Migrationsgeschichten. Die türkische Gruppe geht wesentlich auf das sogenannte Anwerbeabkommen von 1961 zurück, in dessen Folge insgesamt rund 876.000 Menschen aus der Türkei nach Deutschland kamen (Auswärtiges Amt). Ein Teil der Zuwanderung aus diesen Herkunftsländern hängt mit den (Spät-)Aussiedlern zusammen, also im Ausland geborenen Menschen deutscher Herkunft, die seit 1950 nach Deutschland gekommen sind, etwa aus Russland, Kasachstan oder Polen. Insgesamt leben laut Mikrozensus 2024 rund 2,69 Millionen (Spät-)Aussiedler in Deutschland (bpb.de). Ein zweiter wichtiger Grund ist die EU-Arbeitsmigration, vor allem aus Polen und Rumänien.
Andere Herkunftsländer spiegeln jüngere Fluchtbewegungen von Schutzsuchenden wider. Die 1,4 Millionen aus der Ukraine gehen wesentlich auf den russischen Angriffskrieg seit 2022 zurück, die Werte für Syrien (860.000) und Afghanistan (360.000) auf die Fluchtmigration der vergangenen zehn Jahre.
Wohin die Menschen gehen
Die Gegenrichtung ist deutlich kleiner. Von den rund 4,3 Millionen im Ausland lebenden Menschen, die in Deutschland geboren wurden, entfällt mit Abstand der größte Teil auf die USA (1,1 Millionen). Danach folgen, jeweils deutlich kleiner, die Schweiz (370.000), die Türkei (360.000), das Vereinigte Königreich (290.000) und Österreich (270.000). Auffällig ist die Türkei auf Rang drei, das einzige Land, das zugleich prominent auf der Herkunftsseite auftaucht.
Migration ist keine Einbahnstraße
Weltweit lebten 2024 rund 304 Millionen Menschen dauerhaft außerhalb ihres Geburtslandes, das sind 3,7 % der Weltbevölkerung (UN DESA). Erfasst werden in dieser Darstellung jeweils nur die zehn größten Herkunfts- und Zielländer; der Rest verteilt sich auf rund 150 weitere Staaten. Hinter den Zahlen stehen sehr unterschiedliche Geschichten, von der Arbeitsmigration über die (Spät-)Aussiedler bis zu Schutzsuchenden. Zusammen zeichnen sie das Bild eines Landes, das über Jahrzehnte zu einem der wichtigsten Einwanderungsländer der Welt geworden ist.