Ein Bild sagt oft mehr als tausend Worte. Die Aussage dieser Grafik ist selbsterklärend: Für die deutschen Autokäufer*innen steht der Anschaffungspreis eines Neuwagens absolut im Vordergrund, die Umweltverträglichkeit und der Benzinpreis spielen eine deutlich untergeordnete Rolle. Wobei man sagen kann, dass der Blick auf die Umweltverträglichkeit leicht zugenommen, der Fokus auf die Benzinkosten jedoch stark abgenommen hat. Allerdings müssen wir die Entscheidungen der Käufer*innen noch etwas differenzierter betrachten.
Anschaffungskosten mindern Attraktivität von E-Autos
Einer Studie der Targobank in Zusammenarbeit mit dem Meinungsforschungsinstitut forsa vom Februar 2025 zufolge schrecken die hohen Anschaffungskosten von E-Autos 71 Prozent der potenziellen Neuwagenkäufer*innen ab. Die nach wie vor nur schwer einzuschätzende echte Reichweite war für 65 Prozent der Befragten ein Ausschlusskriterium. Nicht jeder hat das Geld, sich den BMW iX mit der größten Reichweite zu leisten. Wer mit dem Auto von Deutschland nach Venedig möchte, hat die Wahl, den Stau auf der Brennerautobahn ohne Klimaanlage zu ertragen, oder praktisch an jeder Raststätte die Batterie aufladen zu müssen. Gerade bei langen Strecken ist es fraglich, ob man immer an eine Schnellladestation kommt, oder dann auch noch eine halbe Stunde oder mehr für das Aufladen benötigt. Beide Faktoren, das Ladesäulennetz (61 Prozent) und die Ladedauer (53 Prozent) schrecken mehr als die Hälfte der Käufer*innen ab.
Umweltschutz bei der Kaufentscheidung fast schon irrelevant
Der Aspekt “Umweltschutz”, das Initial für E-Autos schlechthin, tangiert weniger als die Hälfte der Befragten. Nur 44 Prozent stuften E-Autos als umweltfreundlicher gegenüber herkömmlichen Motoren ein. Davon losgelöst sehen nur 30 Prozent Verbrenner als nicht mehr zeitgemäß. Die Diskrepanz in der Wahrnehmung bei Politik, Umweltverbänden und Autoindustrie auf der einen Seite und den Verbrauchern auf der anderen Seite ist, neudeutsch formuliert, “krass”. Das Interesse an E-Autos ist rückläufig, wie die Targobank-Studie belegt. Den Umstieg von Verbrenner oder Diesel auf ein E-Auto planten
- 39 % im Jahr 2021
- 43 % im Jahr 2022
- 36 % im Jahr 2023
- 29 % im Jahr 2024
Dieser Rückgang dürfte nicht nur mit dem zweifelhaften Gebaren des Tesla-Chefs Elon Musk zusammenhängen, es gibt schließlich noch zahlreiche weitere Anbieter. Die Chinesen drängen darüber hinaus mit deutlich günstigeren Autos auf den Markt. Und es bleibt abzuwarten, wie sich Toyotas Wasserstoffantrieb, aktuell allerdings für den Toyota Mirai mit fast 70.000 Euro Kaufpreis, durchsetzen wird. Die Kraftstoffkosten ähneln denen von Benzinern und liegen zwischen zehn und 15 Euro pro 100 Kilometern, aber eben ohne Umweltschädigung.
Immerhin liegen Hybridfahrzeuge mit einer wahrscheinlichen Anschaffung von 19 Prozent auf Rang zwei nach Benzinern mit 31 Prozent. Betrachten wir die bisherigen Zahlen, könnte man denken, Käufer*innen von Hybridfahrzeugen verfahren nach dem Motto “Wasch mich, aber mach mir den Pelz nicht nass”. So ein bisschen E-Auto ist ganz gut für das Gewissen, für das Gefühl, ein Auto mit Reichweite zu fahren, bedarf es aber eben doch eines Benziners oder Diesels
Fazit
Betrachten wir die vorliegenden Ergebnisse, kommen wir zu dem Schluss, dass die Aussagen der Automobilhersteller, sich aus der Produktion von Verbrennern und Dieseln zeitnah zurückzuziehen, deutlich am Markt vorbeigehen. Nicht umsonst hat der VW-Konzern seinen “Ausstieg vom Ausstieg” kund getan. Und auch die EU diskutiert einen Rücktritt vom angeordneten Verbrenner-Aus im Jahr 2035 (Quelle: ADAC). Wie es scheint, werden uns Diesel und Benziner, Ozonloch, Klimakrise und Erderwärmung zum Trotz, noch viele Jahre begleiten.