Innerhalb der EU belegt Deutschland bei der Wohneigentumsquote souverän den letzten Platz. Der letzten Erhebung aus dem Jahr 2022 zufolge lebten 46,7 Prozent der in Deutschland ansässigen Personen in einer eigenen Wohnung. In Italien sind es 74,3 Prozent, beim Spitzenreiter Rumänien 94,8 Prozent. Wie kann es sein, dass eines der ärmsten Länder in der EU die höchste Wohneigentumsquote hat. Und was sind die Gründe für die “Eigentumsverweigerung” in Deutschland?
Schauen wir zunächst auf die Zahlen der Gesamt-EU.
“Eigentum verpflichtet” – also bloß nichts kaufen
Teure Autos ja, eigene Wohnung? Nein
Man könnte die Hypothese aufstellen, dass die Deutschen komisch sind: Für Autos geben sie richtig viel Geld aus, aber eine Immobilie, die mehrere Autos überlebt, gilt als Hemmnis. Das DIW war der Ansicht, die Eigenmittelquote in Deutschland in Höhe von mindestens 20 Prozent zuzüglich der Erwerbsnebenkosten, die bis zu 15 Prozent ausmachen können, seien der Grund für die Kaufverweigerung hierzulande. Das wäre auf den ersten Blick einleuchtend, wenn es da nicht die anderen Staaten in der Europäischen Union gäbe. Die Banken dort verschenken kein Geld, Makler und Notare arbeiten nicht für gute Worte.
In Italien beläuft sich die Maklercourtage auf drei bis fünf Prozent des Kaufpreises zuzüglich 22 Prozent IVA, der Mehrwertsteuer. Notare berechnen für ihre Tätigkeit zwischen 1,5 und zwei Prozent. Die Berechnung der Grunderwerbsteuer fällt dort etwas anders aus, am Ende ist sie jedoch höher als in Deutschland. Sie beträgt rund neun Prozent. Unterm Strich übersteigen die Erwerbsnebenkosten in Italien die in Deutschland. Die Banken erwarten bei einer Finanzierung ebenfalls 20 Prozent Eigenmittel. Das Argument des DIW wankt.
Noch spannender wird es, wenn wir nach Kroatien blicken. Die notwendige Eigenmittelquote dort bei einer Fremdfinanzierung liegt zwischen 30 und 50 Prozent.
Daran kann es also nicht liegen. Gibt es einen spezifischen deutschen Grund?
Der Hang zur Miete resultiert aus der gesellschaftlichen Entwicklung der 70er Jahre des 19. Jahrhunderts. Die industrielle Revolution überrollte Deutschland, Menschen zogen zu Tausenden vom Land in die Städte, um dort in den Fabriken zu arbeiten. Günstiger Wohnraum wurde benötigt, die funktionalen und trostlosen Mietskasernen waren geboren. Diese Tradition hat sich in Deutschland verfestigt – gewohnt wird zur Miete.
Auch wenn es in Großbritannien eine ähnliche Situation gab, führte die Deregulierung des Mietrechtes in den 90er Jahren dazu, dass die Briten raus aus den Mietwohnungen, rein in das Wohneigentum stürmten. Sie wollten auf der sicheren Seite sein.