Die Zahl der deutschen Winzer*innen ist rückläufig. Das Schicksal der kleinen und mittleren Einzelhandelsunternehmen in den deutschen Innenstädten teilen inzwischen immer mehr Weinbauern und -bäuerinnen. Die Gutsaufgabe zieht sich durch die gesamte Republik. Der nördlichste Weinberg Deutschlands liegt übrigens auf Sylt, gefolgt von einem Weingut auf Rügen.
Während die Anzahl der kleineren Betriebe kontinuierlich abnimmt, rund 50 Prozent in 13 Jahren, bleibt die Zahl der Großen stabil, steigt sogar leicht an, zusammen mit der Anbaufläche, die auch zunimmt.
Gründe für die Geschäftsaufgabe
Nach wie vor ist Deutschland ein “Bierland”. Dem Pro-Kopf-Konsum von 88 Litern Bier in Deutschland im Jahr 2023 standen lediglich 19 Liter Wein gegenüber. Brauereien haben allerdings auch immer mehr mit dem Markt zu kämpfen. Im Gegensatz übrigens zu Italien. Dort stagniert der Weinkonsum zugunsten der Nachfrage nach Craft-Beer.
Steigende Lohnkosten für die Angestellten und dabei ein Nachfragerückgang nach deutschem Wein macht den Weinanbaubetrieben zu schaffen. Der Nachfragerückgang hat wiederum zwei Ursachen. Zum einen trinken junge Menschen, weniger Alkohol als noch ihre Eltern. Zum anderen wirkt sich der Druck kostengünstigerer Importweine auf die Absatzzahlen der deutschen Weine aus.
Winzer aus der Pfalz gründen Zukunftsinitiative
Im rheinland-pfälzischen Billigheim-Ingenheim gründete der Winzer Thomas Schaurer die “Zukunftsinitiative deutscher Wein”. Gegenüber dem SWR (4.8.2025) beschrieb Schaurer die Situation der deutschen Kleinwinzer*innen mit einem schlichten Satz: “Wir stehen vor dem Aus.” Bis jetzt haben sich von den rund 14.000 Betrieben 156 der Initiative angeschlossen. Schaurer sieht zwei Lösungsansätze, um gerade die kleineren Weinbauern und -bäuerinnen vor der Insolvenz zu bewahren.
Zum einen müsste pro Kopf und pro Jahr eine Flasche ausländischen Weines weniger und dafür eine Flasche deutschen Weines mehr verkauft werden. Zumindest für Rheinland-Pfalz, mit 63 Prozent der deutschen Weinanbaugebiete größter Produzent, wäre dies eine Lösung. Der zweite Ansatz wäre, keine Verkaufspreise mehr unter drei Euro pro Flasche zuzulassen. Der Initiative nach sind solche Verkaufspreise durch die steigenden Produktionskosten einfach nur noch Ausbeutung.
Wie könnten deutsche Verbraucher*innen dem Winzersterben entgegenwirken?
Am Beispiel des italienischen Pinot Grigio lässt sich eine im deutschen Weinkonsum verankerte Absurdität feststellen. Pinot Grigio ist auch ein in Deutschland häufig konsumierter italienischer Wein. Der Name klingt nach “dolce far niente”, Sommer und Strand. Ganz anders dagegen der doch eher hausbackene Ruländer. Allerdings sollten diejenigen, die einen Pinot Grigio dem langweiligen Ruländer vorziehen, einmal einen Blick auf die Herkunft der Rebe werfen. Dabei werden sie feststellen, dass auch Grauburgunder ein weiteres Synonym für die von der ursprünglichen Pinot Noir Rebe mutierten Traube ist. Drei Namen, ein Wein – warum also nicht in Zukunft auf den Pfälzer Grauburgunder zurückgreifen? Ein Ruländer unterliegt einem anderen Ernte- und Herstellungsverfahren, was ihn zu einem schwereren Wein mit einer deutlichen Süße macht.
Wer Rotweine bevorzugt, muss nicht auf den französischen Burgunder zurückgreifen. Im Ahrtal wird dieser vorzugsweise, auf der Basis der Pinot Noir Traube, gekeltert. Deutschland ist, was die Herstellung von Burgunder angeht, nach Frankreich und den USA weltweit die Nummer drei (Quelle: vinum.eu).