Trendwende beim Fleischverzehr?

Der Fleischkonsum ist im Jahr 2024 leicht angestiegen.

Die Frage, ob die jahrelange Reduzierung des Fleischkonsums in Deutschland ihr Ende gefunden hat, muss differenziert beantwortet werden. Nach einem kontinuierlichen Rückgang des Fleischverzehrs in den letzten Jahren wurde für das Jahr 2024, laut Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft,  erstmals wieder ein etwas größerer Anstieg beobachtet. Die deutsche Bevölkerung konsumierte durchschnittlich 53,2 Kilogramm Fleisch pro Kopf, ein moderater Zuwachs von 0,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, was etwa 300 Gramm mehr entspricht. 

Dieser Zuwachs wird maßgeblich vom Geflügelsegment getragen. Mit 13,6 Kilogramm pro Person stieg der Konsum von Hähnchen- und Putenfleisch um rund 500 Gramm pro Einwohner:innen an. Geflügel profitiert dabei von seinem Ruf als “leichte” Proteinquelle und der einfachen Zubereitung. Schweinefleisch bleibt mit 28,4 Kilogramm weiterhin die am meisten verzehrte Sorte, während Rind- und Kalbfleisch konstant bei 9,3 Kilogramm pro Kopf liegen. 

Preisentwicklung als Konsummotor

Ein entscheidender Faktor für den unerwarteten Anstieg ist die Entspannung auf dem Verbrauchermarkt. Nach den inflationsbedingten Preissprüngen des Vorjahres stabilisierten sich die Verbraucherpreise 2024 bei einer Inflationsrate von 1,3 Prozent. Insbesondere Geflügelfleisch wurde im Jahresverlauf günstiger, was es für viele Haushalte attraktiv machte, wieder zuzugreifen. 

Die Branche reagierte prompt: Die Produktion von Fleisch stieg 2024 erstmals seit 2016 wieder an, was die Versorgungslage stabilisierte und die Preisdämpfung weiter begünstigte (BLE.de).

Gesellschaftlicher Wandel und Flexitarier-Trend

Trotz des aktuellen, preisgetriebenen Anstiegs bleibt der langfristige soziokulturelle Trend zum reduzierten Fleischkonsum bestehen. Die deutsche Bevölkerung verändert ihre Essgewohnheiten grundlegend. Laut Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft greifen vier von zehn Verbrauchern schon regelmäßig zu pflanzlichen Alternativen (BMEL-Ernährungsreport 2024). 

Das gesellschaftliche Bewusstsein für Themen wie Klimaschutz, die Auswirkungen der Landwirtschaft und Tierwohl nimmt kontinuierlich zu. Aktuelle politische Debatten, etwa um die Einführung einer verbindlichen Tierwohl-Kennzeichnung oder einer möglichen Tierwohl-Abgabe, prägen das Kaufverhalten weiter. Das bedeutet, dass der Konsum zwar auf Preisaktionen reagiert, die grundlegende Skepsis gegenüber konventioneller Fleischerzeugung aber erhalten bleibt.

Herausforderungen und Transformationskonzepte der Branche

Die Fleischwirtschaft sieht sich massiven und komplexen Herausforderungen gegenüber, die eine Transformation unumgänglich machen. Steigende Energie- und Rohstoffpreise, Fachkräftemangel sowie verschärfte Gesetzgebungen zur Haltung und Schlachtung erhöhen den Kostendruck. Um wettbewerbsfähig zu bleiben und auf gesellschaftliche Forderungen zu reagieren, setzt die Branche zunehmend auf zukunftsorientierte Konzepte: Sie stärkt den Fokus auf Hochwertigkeit durch hochpreisige Regionalprodukte mit geprüften Tierwohl-Standards, investiert in neue Technologien, bspw. Photovoltaikanlagen, um der Energiekrise zu begegnen, und einige Unternehmen etablieren sich im wachsenden Markt für alternative Proteinquellen wie Fleischersatzprodukte.

Die zukünftige Entwicklung des Fleischverzehrs in Deutschland wird davon abhängen, ob die Branche diese strukturellen Herausforderungen erfolgreich bewältigt und ob der Preis weiterhin stärker entscheidet als die ethische und ökologische Überzeugung.

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