Als Einhörner werden Start-up Unternehmen bezeichnet, die sich in privater Hand befinden und eine Marktkapitalisierung von mehr als einer Milliarde USD aufweisen. Die deutsche Start-up Szene ist in diesem erlauchten Kreis durchaus präsent. Das Spannende am Analyseergebnis ist, dass sich diese Schwergewichte über alle Branchen verteilen.
Finanzbranche am populärsten
Verbrauchern sind die Unternehmen aus dem Finanzsektor vermutlich am geläufigsten. N26 betreute Ende 2024 rund acht Millionen Kunden (Quelle: Wikipedia), der Online-Broker Scalable blickt auf 600.000 Depots (Quelle: extraetf). Von Taxfix sind leider keine Kundendaten bekannt, nur der Verlust in Höhe von 58,1 Millionen Euro im Jahr 2022 (Quelle: financefwd). Solaris als “Embedded Finance Platform” spielt im Hintergrund und wickelt die Bankgeschäfte für die B2C-Fintechs ab, aber auch für beispielsweise ADAC oder Samsung.
Flixmobility, heute die Flix SE, kennt vermutlich auch jeder. Die Flix-Busse sind europaweit unterwegs und präsentieren sich als pünktlichere Alternative zur Bahn. Enpal ist eher Immobilienbesitzern geläufig, die Photovoltaikanlagen des Herstellers nutzen wollen. Forto und Volocopter sind eher weniger bekannt und im Segment Transport angesiedelt. Während Forto innovative Optionen in der Warenverschiffung anbietet, setzt Volocopter auf urbane Lufttaxis.
1Komma5 ist den Verbrauchern geläufig, die sich auf die Suche nach einer “sauberen” und vor allem preiswerten Stromlösung gemacht haben. Eine KI kauft immer dann Strom für die Kunden ein, wenn dieser an den Strombörsen am günstigsten ist.
Neben diesen Beispielen finden sich die Hochkaräter gerade im Bereich der Unternehmenstechnologie, was nicht weiter verwunderlich ist. Contentful beispielsweise bietet ein cloud-gestütztes Content-Management-System und betreut Kunden wie IKEA oder Red Bull.
Die Gründung von Celonis erfolgte bereits im Jahr 2011. Die Geschäftsidee dahinter war, Managementprozesse zu digitalisieren und im Rahmen von Process-Mining auf Prozesspotenziale zu analysieren und diese Potenziale zur Prozessoptimierung zu heben. Celonis stellt mit Abstand das wertvollste deutsche Start-up dar, ein Umstand, der nicht nur der Idee, sondern auch dem Alter des Unternehmens geschuldet ist.
Wo kommen die Gelder her?
Die ersten Schritte schließen in der Regel KfW-Kredite oder durch KfW-Bürgschaften besicherte Bankkredite ein. Auf dem Weg nach vorne mit erhöhtem Investitionsbedarf sind es dann meist Venture-Kapitalgesellschaften, welche die benötigten Gelder bereitstellen. Eine besondere Variante dabei sind die sogenannten “Business Angels”. Diese finanzieren nicht nur den Fremdmittelbedarf, sondern stellen dem Start-up auch das eigene Netzwerk als Kontaktquelle zur Verfügung und begleiten das aufstrebende Unternehmen beratend und organisatorisch.
Klassische Bankfinanzierungen spielen in der Welt der Start-ups eine eher untergeordnete Rolle. Hier zu finanzieren, widerspricht dem Prinzip der Banken, Regenschirme nur bei Sonnenschein zu verleihen, sie bei aufkommender Bewölkung aber wieder zurückzufordern (Mark Twain).
Die Art der Finanzierung resultiert zu Beginn in erster Linie aus dem Geschäftsmodell. In den meisten Fällen starten die Gründer, so es mehrere sind, als GmbH. Die Geschichte von Steve Jobs und Steve Wozniak mit dem Start eines Milliardenimperiums in der Garage dürfte heute nur noch schwer funktionieren. Die GmbH kann dann bei entsprechenden Fortschritten in eine AG gewandelt werden. KGs, KGaAs oder OHGs finden sich in der Welt der Gründer keine, eher dann ganz zu Beginn der Tätigkeit die klassische Personenfirma.
Die Zielsetzung der Einhörner
Das Ziel ist natürlich bei allen Gründern identisch, der unternehmerische Erfolg. Allerdings gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, diesen bei nachweisbaren Ergebnissen umzusetzen. Das häufigste genannte Ziel der Gründer ist der Börsengang. Das bedeutet nicht, dass das Einhorn-Kriterium “in privater Hand” aufgegeben wird. Die Aktien müssen nicht sofort frei handelbar sein, sie können durchaus im Besitz der ursprünglichen Eigentümer verbleiben. Sind allerdings klassische Venture Capital Gesellschaften massiv involviert, lautet deren Ziel, nach dem Börsengang durch den öffentlichen Verkauf der Anteile richtig Geld zu verdienen. Damit wäre das Einhorn dann wieder im Reich der Fantasie.
Wie werden deutsche Start-ups in Zukunft aufgestellt sein?
Über die möglichen Erfolge deutscher Start-ups in der Zukunft lässt sich nur schwer spekulieren. Ein Sieg bei “Höhle der Löwen” mag zwar für eine Schlagzeile gut sein, langfristig für ein erfolgreiches Geschäftsmodell aber nicht ausreichen. Wichtiger, neben den Ideen, ist ein gründerfreundliches Umfeld hierzulande. Das Stichwort “Bürokratieabbau” darf in diesem Kontext nicht fehlen, schreckt eben dieses Bürokratiegespenst die einen oder anderen Gründenden davon ab, letztendlich den Weg ins Unternehmertum zu gehen. Regierungen sind nicht für die Ideen und deren Umsetzung zuständig, wohl aber teilweise für das Umfeld. Die bisherigen Vertreter im Kreis der Einhörner belegen jedenfalls, dass die Erfolge möglich sind.