Mit Motor, ohne Schutz: Risiken im Straßenverkehr

Entwicklung der Verkehrstoten nach Verkehrsmittel in Deutschland seit 2008

Die Zahl der Verkehrstoten in Deutschland sinkt seit Jahren, doch auf zwei Rädern verschiebt sich das Risiko. 2024 war jede:r sechste Verkehrstote ein Radfahrer oder eine Radfahrerin, fast die Hälfte davon war auf einem Pedelec unterwegs. 

Eine kurze Begriffserklärung: Bei Elektrofahrrädern unterscheidet man zwischen drei Kategorien, den Pedelecs, E-Bikes und S-Pedelecs. Lediglich Pedelecs, umgangssprachlich häufig E-Bikes genannt, sind Fahrrädern ohne Hilfsmotor rechtlich gleichgestellt. Pedelecs haben einen Hilfsmotor, der das In-die-Pedale-Treten bis zu einer Geschwindigkeit von 25 km/h unterstützt. S-Pedelecs haben eine höhere Geschwindigkeitszulassung und E-Bikes gelten als Kleinkraftrad, da der Motor auch ohne Unterstützung funktioniert. Die Erfassung der Verkehrsunfälle von Destatis bezieht sich lediglich auf Pedelecs. 

Weniger Tote im Straßenverkehr

Die Zahl der Verkehrstoten in Deutschland ist langfristig rückläufig, trotz mehr Verkehr und höherer Motorisierung. 2024 starben 2.770 Menschen im Straßenverkehr, deutlich weniger als noch vor zehn oder fünfzehn Jahren. Besonders bei Pkw-Insassen zeigen die Statistiken einen klaren Rückgang. 

Dieser Erfolg ist das Ergebnis jahrzehntelanger Verkehrssicherheitsarbeit: strengere Promillegrenzen, Tempolimits innerorts, bessere Fahrzeugtechnik, mehr Kontrollen und bauliche Maßnahmen wie Kreisverkehre oder Tempo-30-Zonen. 

Doch nach wie vor ereignen sich überproportional viele tödliche Unfälle auf Landstraßen, wo hohe Geschwindigkeiten und unübersichtliche Strecken zusammentreffen. Auch Alkohol spielt weiterhin eine wichtige Rolle: Obwohl die Zahl der Alkoholunfälle stark zurückgegangen ist, zählen Fahrten unter Alkoholeinfluss noch immer zu den häufigsten schweren Vergehen mit hohem tödlichen Risiko.

Wenn der Motor den Unterschied macht

Während die Zahl der Getöteten in Autos seit 2008 massiv gefallen ist, bleibt die Kurve für Fahrräder relativ stabil. Destatis meldete für 2024 insgesamt 441 getötete Radfahrende, ein Zuwachs von gut 11 % im Zehnjahresvergleich. Im gleichen Zeitraum sank die Anzahl an Verkehrstoten insgesamt dagegen um 22,4 %. 

Dieser Anstieg kann vor allem auf die steigende Anzahl getöteter Elektrofahrrad-Fahrende zurückgeführt werden. 2024 war fast jede:r zweite getötete Radfahrende auf einem Pedelec unterwegs. Fahrräder mit Hilfsmotor sind allerdings nicht an sich gefährlicher als klassische Räder, wie Unfallforscher betonen. Das höhere Risiko entsteht aus einem Zusammentreffen mehrerer Faktoren: höhere Durchschnittsgeschwindigkeiten, mangelnde Fahrpraxis und eine Nutzergruppe, die im Schnitt deutlich älter ist als bei klassischen Rädern.

Risikofaktoren Alter und Infrastruktur

Die Statistik zu Verkehrsunfällen von Destatis zeichnet ein deutliches Bild der Risikogruppe. Knapp zwei Drittel der 2024 tödlich verunglückten Radfahrenden waren 65 Jahre oder älter, bei Pedelec-Fahrenden lag der Anteil sogar bei fast 69 %.

Auch die Infrastruktur spielt eine wichtige Rolle für die Prävention von Verkehrsunfällen. Viele Radwege sind nicht auf schneller werdende Fahrräder ausgelegt, kreuzen Einfahrten, Busspuren oder werden abrupt auf die Fahrbahn geführt. Unfälle mit Pedelecs passieren laut Landesstatistiken überdurchschnittlich oft ohne Fremdbeteiligung, etwa durch Alleinunfälle in Kurven, auf Schotter oder beim Bremsen aus hoher Geschwindigkeit. Dort, wo Städte konsequent auf breite, baulich getrennte Radwege setzen, sinken die Zahlen schwerer Unfälle, während Regionen mit hohem Radverkehr, aber schwacher Infrastruktur steigende Unfallzahlen melden.

Was die Politik jetzt daraus macht

Verkehrspolitik wird in den kommenden Jahren vor allem dort ansetzen müssen, wo die Risiken im Straßenverkehr besonders hoch sind. Für ein sicheres Fahrradfahren, ob mit oder ohne Hilfsmotor, sind dabei vor allem mehr baulich getrennte und gut gewartete Radwege zentral, sowie gezielte Präventionsangebote wie Fahrtrainings und Sicherheitskampagnen für Elektrofahrräder.

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