Hinweis zur Methodik
Diese Studie hat erhebliche Medienaufmerksamkeit erregt, was zu Anfragen bezüglich unserer Klassifizierungsmethodik zur Unterscheidung zwischen selbst erarbeitetem und geerbtem Vermögen geführt hat. Wir stützten unsere Analyse auf die „Self-Made“-Bezeichnung von Forbes, die Milliardäre identifiziert, die ein Unternehmen gegründet bzw. ein Vermögen selbst aufgebaut haben, anstatt es größtenteils zu erben.
Forbes berücksichtigt dabei, ob jemand das Unternehmen, das sein Vermögen bildet, gegründet oder mitgegründet hat, wie viel Wachstum unter seiner Führung stattfand und ob er erhebliche Hindernisse überwinden musste, anstatt in privilegierte Verhältnisse hineingeboren zu werden. Zur Validierung dieser Klassifizierung führten wir eine geschichtete Zufallsstichprobe über verschiedene Vermögensstufen hinweg durch und überprüften die Klassifizierungen mittels KI-Analyse (Gemini, Perplexity) und manueller Recherche.
Diese binäre Klassifizierung – selbst erarbeitet oder geerbt – stellt eine fundierte Annäherung dar, die zwangsläufig komplexe Realitäten vereinfacht. Viele Milliardäre befinden sich irgendwo zwischen diesen Extremen, da sie sowohl Vorteile geerbt als auch bedeutende Beiträge zu ihrem Vermögen geleistet haben. Für eine breite statistische Analyse über Länder und Branchen hinweg bietet das Forbes-Framework nützliche richtungsweisende Einblicke, auch wenn Einzelfälle eher auf einem Spektrum als in absoluten Kategorien existieren.
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Milliardäre besitzen heute mehr Vermögen als je zuvor, aber wie wird dieses Vermögen tatsächlich geschaffen? Globale Daten zeigen einen klaren Trend: Zwei Drittel der Superreichen der Welt haben ihr Vermögen selbst aufgebaut, während ein Drittel es geerbt hat. Der Unterschied zwischen den Ländern ist frapierend.
Stand Juni 2025 wurden laut Forbes weltweit insgesamt 2.838 Milliardäre gezählt. Davon gelten 67 % als Self-Made, während 33 % ihr Vermögen geerbt haben. Hinter diesem globalen Durchschnitt verbirgt sich ein breites Spektrum, das von fast vollständig selbst geschaffenem Vermögen bis hin zu nahezu vollständiger dynastischer Weitergabe reicht.
Hotspots des selbst geschaffenen Vermögens
An der Spitze der Länder mit dem höchsten Anteil an Self-Made-Milliardären stehen China und Russland, mit einer erstaunlichen Self-Made-Rate von jeweils 97 %. In den Vereinigten Staaten, der Heimat der größten Anzahl von Milliardären weltweit, haben 73 % der Superreichen ihr Vermögen selbst angehäuft.
Ähnlich hohe Anteile finden sich in verschiedenen asiatischen Volkswirtschaften, darunter Indonesien, Taiwan und Israel. Diese Länder fördern oft dynamische Startup-Kulturen, technologische Disruption und vergleichsweise niedrigere Hürden für unternehmerischen Erfolg.
Europas dynastischer Reichtum
In weiten Teilen Europas sieht das Bild ganz anders aus. In Deutschland zum Beispiel sind nur 25 % der Milliardäre Self-Made. Die Zahlen in Spanien (26 %) und Italien (36 %) erzählen eine ähnliche Geschichte. Länder wie Belgien und Mexiko weisen ebenfalls eine starke Dominanz von geerbtem Vermögen auf, wobei nur 27 % als Self-Made eingestuft werden.
Diese Zahlen deuten auf tief verwurzelte Eigentumsstrukturen und eine Konzentration des Vermögens in Familien hin, oft alte Unternehmerdynastien, deren Vermögen über Generationen weitergegeben wurde.
Vermögen und Fairness im globalen Kontext
Zwischen 2024 und 2025 stieg das Gesamtvermögen aller Milliardäre um 13,4 %. Doch während die Vermögen wachsen, stellt sich eine drängendere Frage: Wie werden diese Vermögen gemacht? Ob Vermögen verdient oder geerbt wird, prägt die öffentliche Wahrnehmung von Leistung und Fairness.
An Orten, an denen selbst geschaffener Erfolg häufiger ist, herrscht tendenziell ein größeres Vertrauen in die soziale Mobilität. Wo Vermögen fast ausschließlich durch Erbschaft weitergegeben wird, macht sich oft ein Gefühl der wirtschaftlichen Ausgrenzung breit, verbunden mit dem Potenzial für politische und soziale Spannungen.
Fazit
Globale Vergleiche offenbaren eine einfache Wahrheit: Nicht jedes Vermögen ist gleich geschaffen. In einigen Ländern werden Vermögen durch Ehrgeiz und Innovation aufgebaut; in anderen werden sie durch Erbschaft bewahrt. Die Herkunft des Vermögens ist zu einem aussagekräftigen Indikator für Chancen und zu einem Warnsignal für die Gesundheit demokratischer Gesellschaften geworden.
Der Soziologe Prof. Dr. Thomas Druyen merkt an: „Das Erben ist zu einer der wirksamsten Abkürzungen zur Macht geworden.“ Wenn Vermögen weitergegeben statt verdient wird, schwindet das Vertrauen in die Fairness. Der Gesellschaftsvertrag beginnt zu bröckeln.
Wo junge Generationen glauben, dass Erfolg durch Anstrengung erreichbar ist, gedeiht der Ehrgeiz. Aber wenn wirtschaftliche Mobilität unerreichbar scheint, wächst die Frustration. „Wenn die Menschen das Gefühl haben, dass sie sich nicht nach oben arbeiten können, egal wie sehr sie sich anstrengen“, warnt Druyen, „steigt die Anziehungskraft radikaler politischer Alternativen.“
Am Ende liegt die entscheidende Kluft vielleicht nicht zwischen Arm und Reich, sondern zwischen Systemen, die offene Wege zum Erfolg bieten, und solchen, die Privilegien verfestigen. Welchen Weg ein Land wählt, wird nicht nur seine Wirtschaft prägen. Es wird seine Zukunft prägen.
Methodik
Die dieser Analyse zugrunde liegenden Daten wurden aus der Forbes World’s Billionaires List mit Stand Juni 2025 entnommen. Für jeden Milliardär erfassten wir sein ausgewiesenes Nettovermögen, sein Staatsbürgerschaftsland und seine primäre Vermögensquelle.
Vermögensklassifizierung
Jede Person wurde entweder als Self-Made oder Geerbt eingestuft, basierend auf dem von Forbes veröffentlichten Attribut „self-made“. Diese Klassifizierung ist Teil des umfassenderen Self-Made-Bewertungssystems von Forbes, das von 1 (vollständig geerbtes Vermögen) bis 10 (vollständig selbst geschaffen) reicht. Zur Verdeutlichung und internationalen Vergleichbarkeit haben wir die Personen in eine binäre Klassifizierung eingeteilt:
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Self-Made: Bewertungen von 7–10 (diejenigen, die ihr Vermögen hauptsächlich selbst aufgebaut haben)
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Geerbt: Bewertungen von 1–6 (diejenigen, die einen Teil oder ihr gesamtes Vermögen geerbt haben)
Siehe die vollständige Erklärung von Forbes zu ihrer Bewertung hier: Forbes Self-Made Score Guide
Gegenprüfung
Um die Klassifizierungsgenauigkeit zu verbessern, haben wir eine Stichprobe einzelner Profile mit öffentlichen biografischen Quellen, Unternehmensgeschichten und Medienberichten abgeglichen. Dies geschah, um Grenzfällen Rechnung zu tragen, wie z. B. Gründern, die Unternehmen mit geerbtem Startkapital aufgebaut haben, oder Milliardären mit unklarer Vermögensherkunft.
Sensitivität und Vorbehalte
Es gibt bekannte Einschränkungen bei den Vermögensdaten von Milliardären. Die Methodik von Forbes schließt politisches oder königliches Vermögen (z. B. Staatsfonds, Monarchien) aus, und die Bewertung von Privatvermögen, insbesondere in Schwellenländern, kann ungenau sein. Die Schätzungen des Nettovermögens unterliegen zudem der Marktvolatilität, was bedeutet, dass Vergleiche von Jahr zu Jahr eher Preisschwankungen bei den Vermögenswerten als grundlegende Veränderungen in der Vermögensstruktur widerspiegeln können.