Kernenergie – Deutschland ist raus, China legt zu

Kernenergie - Deutschland ist raus, China legt zu

Das Thema Kernenergie war Jahrzehntelang das rote Tuch in der bundesrepublikanischen Politik. Die Grünen haben ihre Wurzeln in der Anti-Atomkraftbewegung. Theoretisch war ihr ursprünglicher Arbeitsauftrag im April 2023 erfüllt. Das letzte Atomkraftwerk in Deutschland ging vom Netz. Fast 40 Jahre, nachdem die Italiener ihre Meiler abschalteten. Italien bereitet gerade seine Rückkehr zum Atomstrom mittels sogenannter Minireaktoren vor. Deutschland will davon nichts wissen und kauft der Einfachheit halber Atomstrom in Frankreich. Und China? China setzt nach wie vor massiv auf Kernenergie. 

China treibt Ausbau voran

China setzt in vollem Umfang auf Kernenergie. Laut einer Studie der US-Behörde Energy Information Administration wird dort die nukleare Stromerzeugung verdreifacht (Quelle: Nuklearforum). Dabei stehen nicht nur klassische Reaktoren im Vordergrund. China ist auch auf der Suche nach Möglichkeiten, Kernenergie sicherer und Atommüll leichter entsorgbar zu machen. Eine Rolle spielt dabei der experimentelle Thorium-Flüssigsalzreaktor. Das Prinzip dieser Reaktoren basiert darauf, dass das Kühlwasser nicht mit spaltbarem Material in Verbindung kommt und somit eine Kontaminierung wie in Fukushima verhindert wird, so der MDR.

Zusätzlich zu den bestehenden Reaktoren wurde der Weg für weitere elf neue Kernkraftwerke freigegeben. Allerdings täuscht die Annahme, dass Kernenergie der hauptsächliche Energielieferant ist. Nach wie vor tragen die chinesischen Kohlekraftwerke massiv zur globalen Erwärmung bei.

Elektrizität in Volksrepublik China im Jahr 2023/2024

Quelle: Low Carbonpower

Es darf allerdings auch nicht vergessen werden, dass China mit 1,4 Terrawatt der größte Produzent regenerativer Energien weltweit ist (Quelle: Wikipedia).

Die deutsche Energiegewinnung nach dem Atomausstieg

Interessant werden die Zahlen aus China für uns aber erst, wenn wir sie mit den deutschen Daten bezüglich der Herkunft des Stroms vergleichen. 

Elektrizität in Deutschland im Jahr 2024

Quelle: Low Carbonpower

Was ist unter dem wertneutralen Begriff “Netto-Importe” zu verstehen? Ab und an reicht der in Deutschland produzierte Strom nicht aus, um die Verbrauchsspitzen abzufangen. In diesem Fall greifen die Anbieter auf Strom aus dem Ausland zurück – beispielsweise auf französischen Atomstrom. Laut Tagesschau betrug der Anteil an im Ausland gekauften Atomstrom im deutschen Netz im Jahr 2024 immerhin vier Prozent. Erfreulich ist, dass der Anteil an Strom aus erneuerbaren Energien im Jahr 2024 bereits 60,1 Prozent ausmachte. Allerdings drängt die Zeit, bis zum geplanten Kohleausstieg eine vollständige Kompensation für den Anteil dieses fossilen Energieträgers zu erreichen. Die italienische Entscheidung, wieder auf Kernenergie zu setzen, soll es dem Land auf dem Apennin ermöglichen, die Klimaneutralität so schnell wie möglich und so günstig wie möglich zu erreichen.

Wie sieht die Zukunft beim Strom in Deutschland aus?

Kritiker*innen des Atomausstiegs sagen “dunkel”. Bei Stammtisch- und Kaffeetischdiskussionen ist immer wieder zu hören, dass der deutsche Atomausstieg unter dem Sicherheitsaspekt unsinnig war, wenn Länder wie China und die USA Kernkraft forcieren und Deutschland Atomenergie aus Frankreich bezieht. Das Sicherheitsargument, der Grund für den Ausstieg aus der Kernenergie, wird von durchaus renommierten Quellen widerlegt. Die folgende Grafik legt die Anzahl der Todesfälle, bedingt durch Unfälle und Luftverschmutzung pro Terawatt-Stunde in Vergleich der einzelnen Arten der Stromgewinnung zugrunde. 

Death rates per unit of electricity production

 Quelle: ourworldindata.org

Die Diskussion pro oder contra Kernenergie dürfte auch nach Abschaltung der deutschen Reaktoren hierzulande noch lange nicht beendet sein. Mit kontinuierlich steigendem Stromverbrauch, denken wir an die ehrgeizigen Ziele bei der E-Mobilität, stellt sich die Frage, ob Flächen für Windparks und Solarparks langfristig ausreichend sein werden. Gerade Windparks sind ein schönes Beispiel für die Zwiespältigkeit, wie die oft gehörte Argumentation “Atomkraft nein danke, aber baut die Windräder doch bitte woanders hin” zeigt.

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