Auf Deutschlands Kaffeetrinker*innen könnten harte Zeiten zukommen. Die Erzeugerpreise haben ein Allzeithoch erreicht, das sich zeitversetzt auch bald bei den Verbraucherpreisen bemerkbar machen wird.
Verbraucher*innen stellen sich natürlich die Frage nach der Ursache der extremen Verteuerung. Stiegen die allgemeinen Lebensmittelpreise von März 2025 bis April 2025 nur um 2,8 Prozent, waren es bei Kaffee im selben Zeitraum immerhin 12,2 Prozent. Schlagen wir den Bogen zurück bis in den April 2021, so verteuerten sich Nahrungsmittel bis April 2025 um 31,4 Prozent, Bohnenkaffee um 31,2 Prozent und die allgemeinen Verbraucherpreise nur um 18,8 Prozent (Quelle: Destatis.de).
Klimakrise als Preistreiber
Die Hauptursache für den enormen Preisanstieg sind die durch die Klimakrise und ihre Folgen hervorgerufenen Ernteausfälle. Die Verknappung des weltweiten Kaffeeaufkommens führt bei gleicher Nachfrage zwangsläufig zu steigenden Preisen.
Brasilien, mit 41 Prozent an den Importen beteiligter wichtigster deutscher Handelspartner, wurde im Jahr 2024 von extremen Starkregenfällen heimgesucht, die zu Erdrutschen und zerstörten Plantagen führten. Dem Regen folgte eine extreme Hitzeperiode, welche den wettersensiblen Kaffeepflanzen weiter zusetzte.
Vietnam, mit 16 Prozent an den Importen in Deutschland die Nummer zwei bei den Kaffee-Partnern, erlebte im September 2024 mit dem Taifun “Yagi” und im August 2025 mit dem Taifun “Kajiki” ein meteorologisches Horrorszenario, das sich zwangsläufig auch auf die Kaffeeernte niederschlug.
Honduras als Nummer drei der Kaffeeimporteure liefert jährlich rund fünf Prozent der Kaffeeimporte. Im November 2024 zerstörte der Tropensturm Sara Häuser, Felder und Plantagen. Das Ausweichen auf andere Kaffee-Exportnationen, beispielsweise aus Afrika, bringt keine wesentlichen Vorteile. Dem Wasser, das in Südamerika und Süd-Ost-Asien zu viel vom Himmel kam, stehen in Afrika die anhaltenden Dürreperioden gegenüber.
Arbeitsbedingungen nicht berücksichtigt
Leider konnte oder wollte Destatis bei der Erstellung seiner Statistik nicht zwischen “herkömmlichem” Kaffeeanbau und Kaffeeernte und zwischen beispielsweise Fairtrade-Produkten unterscheiden. Weltweit ist der Absatz von Fairtrade-Kaffee zwischen 2012 und 2017 um 192 Prozent gestiegen (kaffee-kooperative.de). Der Marktanteil von fünf Prozent im Jahr 2017 fällt heute noch höher aus. Damit steigt zwangsläufig auch der Anteil des Kaffees mit höheren Produktionskosten, welcher letztendlich den Durchschnittspreis der Gesamtimporte nach oben treibt.
Unterschiedliche Preisentwicklung bei koffeinfreiem und koffeinhaltigem Kaffee
Die Preissteigerungen für Röstkaffee hierzulande fallen bei koffeinhaltigem Kaffee und bei entkoffeiniertem Kaffee unterschiedlich aus. Während sich der entkoffeinierte Röstkaffee im April 2025 gegenüber April 2024 um 45,2 Prozent erhöhte, fiel die Preissteigerung für koffeinhaltigen Kaffee im Vergleichszeitraum um 43,3 Prozent höher aus.