Die Balance bzw. die Dysbalance zwischen Grün- und Verkehrsflächen prägt die Lebensqualität in deutschen Städten maßgeblich. In sämtlichen Großstädten übersteigt heute die asphaltierte Verkehrsfläche pro Kopf die Grünareale deutlich. Grünflächen sind dabei mehr als nur Klimapuffer; sie sind wichtige soziale Ankerpunkte, die Erholung bieten, das Miteinander fördern und einen nicht-kommerziellen Raum im dicht bebauten Stadtbild darstellen.
Asphalt dominiert die Stadtlandschaft
Die von Gustav Neustadt (Datawrapper) erstellte Flächenauswertung, basierend auf den Daten des BBSR (2022), zeichnet ein klares Bild: Trotz politisch erklärter Ziele für mehr urbanes Grün („Weißbuch Stadtgrün“), ist in allen untersuchten Städten die Verkehrsfläche pro Einwohner:in größer als die Grünfläche. In Stuttgart stehen pro Kopf nur noch rund 14 m² Grün (bei fast 42 m² Verkehrsfläche) zur Verfügung. Augsburg und Mannheim bewegen sich in ähnlicher Größenordnung. Potsdam ist mit nur 13 % Differenz zwischen Grün- und Verkehrsfläche die positive Ausnahme. Doch auch dort kommen auf jede Person rund 40 m² Straßen, Parkplätze und andere versiegelte Flächen, denen nur gut 35 m² grüne Oasen gegenüberstehen. Zu beachten ist hierbei, dass der Datensatz nicht zwischen frei zugänglichen Parkflächen und zum Beispiel historischen Parks wie Sanssouci in Potsdam, die Eintritt kosten, unterscheidet.
Anstieg von versiegelten Flächen
Laut Statistischem Bundesamt dehnte sich die Gesamtfläche für Siedlung und Verkehr zwischen 1992 und 2023 um 29,2 % aus. Im selben Zeitraum stieg die reine Verkehrsfläche um 10,3 %. Ein positiver Trend ist bei der täglich neu versiegelten Fläche für den Verkehr zu beobachten: Diese sank von 24 Hektar pro Tag im Jahr 2000 auf nur noch 2 Hektar pro Tag im Jahr 2023. Das gesetzte Ziel, den täglichen Neuverbrauch an Flächen für Siedlung und Verkehr bis 2030 auf 30 Hektar pro Tag zu reduzieren, ist jedoch noch lange nicht erreicht. Die täglich neu versiegelte Gesamtfläche stagnierte in den letzten 5 Jahren bei um die 50 Hektar pro Tag (uba.de).
Folgen für Klima und Stadtleben
Die starke Ausdehnung der Verkehrsflächen und die damit verbundene Versiegelung haben tiefgreifende Folgen für das Klima und das soziale Gefüge der Städte. Asphaltierte Flächen verstärken den Hitzeinseleffekt dramatisch, was die Lebensqualität in den Sommermonaten stark mindert und Folgen von Extremwetter, wie Starkregen, verschärft, da Wasser nicht versickern kann. Die verfügbare grüne Infrastruktur ist für Erholung, Biodiversität und Klimaschutz unersetzlich, fehlt aber besonders in dicht bebauten Vierteln.
Neue Konzepte und Stadtenwicklungstrends
Angesichts dieser Herausforderungen suchen Kommunen nach innovativen Lösungen. Hoffnungsträger für die Klimaanpassung von Städten ist unter anderem das Schwammstadt-Konzept. Dabei geht es um die Fähigkeit einer Stadt, Wasser „wie ein Schwamm“ aufzunehmen und es dann verzögert wieder abzugeben, etwa durch Verdunstung, Versickerung oder gezielte Wiederverwendung (z. B. zur Bewässerung). Auf diese Weise kann auf Klimaextreme wie Hitze und Starkregen reagiert werden.