Generalsanierung der Deutsche Bahn AG

Generalsanierung der Deutsche Bahn AG

Die Deutsche Bahn AG plant den ganz großen Wurf. Bis 2030 will sie das Streckennetz in Deutschland komplett saniert haben. Die maroden Gleise sind aber nicht die einzige Herausforderung. Kaputte Züge, kein Personal – die bis 2022 boni-verwöhnten Vorstände haben einiges vor sich, wenn sie ihre Sonderzahlungen weiter legitimieren wollen.

Die Deutsche Bahn ist ein “ganz eigener” Konzern

Über 4.000 Kilometer Streckennetz sollen saniert werden. Spannend wird es, wenn die Rhein-Strecken zwischen Mainz, Wiesbaden und Köln sowie weiter nach Nordrhein-Westfalen in den Jahren 2027 und 2028 saniert werden. Immerhin hat die Bahn es geschafft, nicht beide Strecken parallel zu sanieren, sodass nur eine gesperrt und die andere nach wie vor für verspätete Züge gut ist.

Böse Zungen behaupten, der Erwerb eines Bahntickets komme dem Kauf eines Lottoscheins gleich und müsste unter das Glücksspielgesetz fallen. Fahrpläne bewegten sich fern der Realität und seien nur noch An- und Abfahrtsvorschläge. 

Fakt ist, die Deutsche Bahn hat es über die Jahre geschafft, sich als Alternative zum Individualverkehr immer weiter ins Abseits zu befördern. Kontinuierlich steigende Preise bei umgekehrt proportional nachlassendem Service führen zwangsläufig zu Popularitätsverlust. Streckensanierungen, wie geplant, sind fast nur noch ein Tropfen auf den heißen Stein.

Das Milliardenloch und die Haushaltssperre

Der Bahn fehlen laut tagesschau.de rund 40 Milliarden Euro, laut F.A.Z. alleine für das Jahr 2025 rund 17 bis 20 Milliarden Euro. Die desolate Lage des Bundeshaushalts machte im Jahr 2024 deutlich, dass die Bahn aufgrund der zugesagten, aber dann doch fehlenden Mittel, massive Schwierigkeiten haben dürfte, alle Probleme, nicht nur die Sanierung des Schienennetzes, zu beheben. Alleine für die Sanierung der Strecke Hamburg – Berlin werden zwei Milliarden Euro veranschlagt. Die Elbphilharmonie und der Berliner Flughafen sind nur zwei Beispiele, wie es in der Realität mit Kostenvoranschlägen und den tatsächlichen Kosten am Ende aussieht. 

Gelang der Bundesregierung mit dem Deutschlandticket zunächst der große Wurf, wurde schnell deutlich, dass die nicht geplante hohe Akzeptanz auch zu ungeplanten Subventionsausgaben führen würde. Die Folge war, wie üblich bei der Bahn, eine Preiserhöhung. Leider ohne gleichzeitige generelle Verbesserung des Angebots. 

Wer fährt nicht gerne auf dem Fußboden sitzend von Frankfurt nach Berlin, wenn er denn fährt. Die Idee, bei längeren Verspätungen kostenlose Getränke auszuschenken, hat Charme, scheiterte aber am 9. Januar auf eben der Strecke von Berlin nach Frankfurt daran, dass es keine Getränke gab. Die Ankunft in Frankfurt wurde auf den 10. Januar verschoben …

Die Litanei ließe sich endlos fortsetzen, das einzige, was bei der Bahn noch klappt, so heißt es, seien die Türen zwischen den Waggons, weil die Schlösser defekt sind.

Sanierungsstand Februar 2025

 Über den Stand der Sanierungen gibt es aktuell noch keine Aussagen, da im Jahr 2024 erst eine Strecke in Arbeit war. Immerhin konnte für die südhessische Riedbahn, die Strecke zwischen Frankfurt und Mannheim, im Dezember 2024 die Vollendung der Bauarbeiten vermeldet werden.

Spannend wird es mit Gleissperrungen im Jahr 2025. Einige Fertigstellungen sind tatsächlich schon in den ersten Monaten des Jahres 2025 geplant:

  • Ende Februar Köln – Koblenz
  • Bis 7. Februar Knoten Hannover
  • Bis 23. Februar Hagen – Hamm
  • 28.2. – 25.4. und 5.9. – 31.10. Essen – Dortmund
  • 6.6. – 9.8. Bielefeld – Hannover
  • 1.8.2025 – 30.4.2026 Berlin – Hamburg

Mit der Strecke Berlin – Hamburg wird es dann für Bahnreisende in Norddeutschland richtig eng. Über sechs Monate Behinderungen auf einer der am stärksten befahrenen Routen hat auch Auswirkungen auf andere Strecken, so viel hat die Erfahrung gezeigt. Die Behinderung durch die Arbeiten am Knoten Hannover mit Streckenführung Richtung Hamburg und Wolfsburg weiter nach Berlin hat sich erfreulicherweise in Grenzen gehalten.

Für Reisende aus Süddeutschland nach Berlin gibt es einen positiven Aspekt. Da es auf der Route Weimar, Halle, Berlin keine Bauarbeiten gibt, können hier die Behinderungen auf der Nordroute über Hannover mit Auswirkungen durch die Sanierung Berlin – Hamburg umfahren werden. 

Wie wird sich die Bahn in der Zukunft entwickeln? 

Fakt ist, die Zukunft der Bahn hängt, wie überall, vom Geld ab. Fakt ist aber auch, dass die Bahn künftig nicht mehr als Selbstbedienungsladen für andere staatliche Stellen herhalten sollte, sondern Teile der Erträge eben nicht ausgeschüttet werden, sondern verstärkt in Reinvestitionen fließen sollten. Unternehmen der freien Wirtschaft machen dies vor. Den Imageschaden, den die Bahn in den letzten Jahren selbst auf- und ausgebaut hat, zu beheben, funktioniert über verlässliche Verbindungen, nicht über vegane Currywürste. 

Es bleibt zu hoffen, dass ein saniertes Streckennetz ohne Baustellen, zumindest teilweise, dazu beitragen kann, wieder zu einer deutlicheren Pünktlichkeit und damit zu einer positiveren Wahrnehmung bei den Nutzern zurückzukehren. Laut DB selbst betrug die Pünktlichkeit, das A und O im Transport, im Jahr 2024 bei den ICE und IC gerade einmal 62,5 Prozent.

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