Der Gemüseverbrauch in Deutschland pro Kopf ist in den letzten Jahren explosionsartig angestiegen. Mindestens genauso verwunderlich wie der überdurchschnittliche Anstieg hierzulande sind die rückläufigen oder nur sehr schwach steigenden Zahlen der Mittelmeeranrainerstaaten. Gerade die Küche in Italien und Frankreich wird von Ernährungswissenschaftler unter dem Titel “Mittelmeerdiät” immer wieder als Maßstab für eine gesunde, salat- und gemüselastige Ernährung angeführt. Was können in Deutschland die Gründe für die Abkehr von Braten und Klößen sein?
Fleischlose Ernährung auf dem Vormarsch
Die Zahl der vegetarisch lebenden Menschen in Deutschland stieg von 5,29 Millionen im Jahr 2016 auf 8,12 Millionen im Jahr 2023. Bei vegan Lebenden gab es eine Entwicklung von 0,8 Millionen auf 1,52 Millionen Personen im selben Zeitraum. Die Zahl derer, die sich komplett frei von tierischen Produkten ernähren, hat sich in acht Jahren fast verdoppelt und macht damit ca. zwei Prozent der Bevölkerung aus. Vegetarier*innen kommen auf zehn Prozent (Quelle: veganivore.de). Betrachten wir den Gemüseverbrauch pro Kopf im gleichen Zeitraum, erhalten wir einen nahezu identischen Verlauf. In den USA stieg der prozentuale Anteil der veganen Bevölkerungsgruppe von 2020 bis 2022 von drei auf fünf Prozent. Im europäischen Mittel beträgt der Anteil der Vegetarier*innen 6,7 Prozent pro Land und der Veganer*innen 2,1 Prozent. Die meisten Veganer*innen mit einem Anteil von vier Prozent der Bevölkerung leben in Norwegen, Dänemark, Schweden und Irland (Quelle: veganivore.de).
Der Erklärungsansatz, dass der Gemüseverbrauch in Deutschland aufgrund der vermehrten Abkehr von Fleisch überdurchschnittlich angestiegen ist, lässt sich zwar nicht anhand belastbarer Datenerhebungen belegen, ist aber in sich durchaus logisch. Kostengründe bei den Haushalten mit niedrigeren Einkommen dürften eher keine Rolle spielen, da das billige Fleisch vom Discounter weniger kostet als Gemüse in einer Menge mit entsprechendem Sättigungsgrad.
Wer stellt den größten Anteil bei Veganer*innen?
Bei der Suche nach der Zielgruppe für vegane Ernährung treffen wir auf die Hollywood-Produktion “Jung, weiblich, Single”. Das mit “Single” ist nicht belegt, wohl aber, dass das Gros der Veganer*innen in Deutschland, 70 Prozent, jung und weiblich ist. Die Frauen der Generation Z stellen die treibende Kraft bei der tierprodukt-freien Ernährung dar. Die heute unter 30-Jährigen repräsentieren den größten Anteil sowohl bei vegan als auch bei vegetarisch lebenden Menschen.
Generell hat sich in Deutschland aber der Trend verfestigt, häufiger auf fleischlose Alternativen zurückzugreifen. Dies gilt auch für “eingefleischte” Fleischesser*innen. In der Zeit von 2020 bis 2024 stieg der Anteil von Käufer*innen einer “öfter mal fleischlosen Alternative” von 29 auf 39 Prozent (Quelle: veganivore.de).
Wie sieht die Zukunft beim Gemüse aus?
Wir können sagen, dass beim Gemüse auch in der Zukunft alles im grünen Bereich sein wird. Die Zahl derer, die sich von tierischen Nahrungsmitteln verabschiedet, wird vermutlich auch in den kommenden Generationen anhalten. Käme Fleischprodukten wieder der Stellenwert zu, den sie in den 1960er und 1970er Jahren mit entsprechendem Preis in Deutschland hatten, würde auch die Zahl der Flexitarier*innen wieder nach oben schnellen. Damals gab es genügend fleischlose Gerichte in deutschen Haushalten, ohne dass Begriffe wie “vegan” oder “vegetarisch” benutzt wurden. Fleisch war teuer.