Steigende Führerscheinkosten in Deutschland

Steigende Führerscheinkosten in Deutschland

Der Führerscheinerwerb in Deutschland ist in den letzten Jahren sehr kostenintensiv geworden. Im Jahr 2024 zahlten die Prüflinge dafür im Mittel 3.070 Euro. Es ergibt sich ein interessantes Bild, wenn man die Führerscheinkosten in Kostengruppen aufteilt. Damit wird ersichtlich, wie sich die Anzahl erworbener Führerscheine in den Kostengruppen verschoben hat. Das Augenmerk fällt auf die beiden Kostengruppen 2.501 Euro bis 3.000 Euro und 3.001 Euro bis 3.500 Euro. 62 Prozent der Absolventen und Absolventinnen bezahlten zwischen 2.501 Euro und 3.500 Euro für die Fahrerlaubnis.  Die Zahl der Fahrschüler und Fahrschülerinnen in der zweiten Gruppe hat sich von 14 Prozent auf 29 Prozent mehr als verdoppelt. 

Europa mit großer Bandbreite bei Führerscheinkosten

Werfen wir einen Blick über die Grenzen auf die Führerscheinkosten in anderen europäischen Ländern, tut sich ein Nord-Süd-Gefälle auf. Die Schweiz, mittig in Europa gelegen, ist mit 5.000 Euro der absolute Ausreißer. Allerdings gilt hier die Einschränkung, dass Fahrstunden nicht obligatorisch, sondern freiwillig sind. Wer darauf verzichtet, kommt deutlich günstiger “weg”. Norwegen liegt mit in der Spitze bei bis zu 4.500 Euro auf Platz zwei, Holland folgt uns mit 3.200 Euro auf Platz vier. In Frankreich fallen bis zu 2.700 Euro an, in Österreich sind es noch bis zu 2.000. In Italien ist es mit 1.200 Euro schon deutlich günstiger, aber immer noch teurer als in Irland, wo die Fahrerlaubnis 900 Euro kostet (Quelle: gutefrage.net).

Die Schlusslichter bilden Tschechien mit 300 Euro und Bulgarien mit 100 Euro (Quelle: LAPID).

Ausbildungsqualität hat ihren Preis

Einer der Gründe für die vergleichsweise hohen Kosten in Deutschland dürfte sich in der Intensität und damit der Qualität der Ausbildung finden. Neben den nicht vorgeschriebenen Übungsfahrstunden in der Innenstadt oder auf Landstraßen sieht die Prüfungsordnung allerdings auch zwölf Pflichtstunden vor, die zu absolvieren sind. Diese gliedern sich in

  • fünf Überlandfahrten
  • vier Stunden Autobahn
  • drei Nachtfahrten

Die Kosten für die Fahrstunden fallen regional unterschiedlich aus und betragen für die Pflichtstunden zwischen 55 Euro und 100 Euro.

Eine im Februar 2024 erstellte Studie des Paulcamper-Magazin veröffentlicht, zeigt die regionalen Unterschiede der Kosten in deutschen Großstädten:

Stadt Gesamtkosten: 25 Fahrstunden Grundbetrag Fahrstunde: 45 Min. Führerscheinantrag: Amtliche Gebühr
München 4.202 € 534 € 78 € 44,70 €
Leipzig 3.948 € 577 € 76 € 49,80 €
Potsdam 3.653 € 557 € 67 € 44,70 €
Wiesbaden 3.504 € 350 € 67 € 44,70 €
Bremen 3.471 € 490 € 63 € 44,70 €
Dresden 3.443 € 518 € 65 € 50,80 €
Frankfurt 3.398 € 399 € 63 € 44,70 €
Stuttgart 3.358 € 361 € 63 € 43,40 €
Mainz 3.355 € 390 € 64 € 44,70 €
Köln 3.346 € 268 € 69 € 43,90 €
Erfurt 3.343 € 550 € 60 € 50,80 €
Hamburg 3.325 € 423 € 65 € 44,70 €
Schwerin 3.185 € 476 € 61 € 49,70 €
Magdeburg 3.155 € 462 € 56 € 43,40 €
Düsseldorf 3.136 € 312 € 63 € 43,90 €
Saarbrücken 3.049 € 361 € 55 € 44,70 €
Kiel 2.946 € 321 € 60 € 44,70 €
Dortmund 2.912 € 244 € 57 € 44,70 €
Hannover 2.792 € 159 € 55 € 44,70 €
Berlin 2.718 € 289 € 53 € 49,80 €
Germany Ø 3.312 € 402 € 63 € 45,86 €

Im Zusammenhang mit den signifikant gestiegenen Kosten für die Fahrerlaubnis ist ein Blick auf die Durchfallquote recht informativ. Das Kraftfahrtbundesamt hat folgende Zahlen für die Jahre 2014 bis 2023 veröffentlicht:

Jahr Theoretische Prüfungen insgesamt Nicht bestandene theoretische Prüfungen in % Praktische Prüfungen insgesamt Nicht bestandene praktische Prüfungen in %
2014 1.562.794 32,3 1.501.614 26
2015 1.645.817 33 1.557.365 26,2
2016 1.704.142 34,8 1.606.088 26,6
2017 1.818.119 36,8 1.658.682 28,1
2018 1.803.915 36,1 1.715.206 29,4
2019 1.809.522 36,1 1.740.803 29,8
2020 1.678.955 34,1 1.548.204 28,6
2021 1.720.082 36,7 1.646.107 29,7
2022 1.820.427 38,9 1.745.642 29,8
2023 1.975.339 41,9 1.763.726 29,8

Fast die Hälfte, 42 Prozent, der Prüflinge hat im Jahr 2023 die theoretische Prüfung nicht bestanden. Fast ein Drittel, 29,8 Prozent, fiel durch die praktische Prüfung. Beides bedeutet Mehrkosten für die erneute Prüfungsgebühr und Aufwendungen für weitere Fahrstunden. 

Fahrschulen kämpfen auch in Zukunft mit Kostendruck

Auf der einen Seite steigt die Zahl der Führerscheine kontinuierlich an. Auf der anderen Seite warten junge Menschen aber immer länger damit, die Fahrerlaubnis zu erwerben. War der Führerschein mit 18 vor einigen Jahren noch ein absolutes “Muss”, beginnen heute viele erst nach dem Ende der Ausbildung oder dem Studium jenseits der 25 mit dem Führerschein (Quelle: schwaebische.de). Während in ländlichen Regionen der Führerschein nach wie vor aufgrund der dünnen ÖPNV-Abdeckung zwingend ist, tendieren junge Menschen in den Städten immer mehr zu öffentlichen Verkehrsmitteln und Fahrrädern. Parkplatznot und autofreie Innenstädte sind neben den extrem hohen Kosten kein Anreiz zu einem möglichst frühen Führerscheinerwerb. So ist den Fahrschulen quasi das Abo auf Neuzugänge weggebrochen.</sp

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