Dem zunehmenden Trend der veganen Ernährung zum Trotz ist der Fleischverbrauch in einigen Teilen Europas nach wie vor bemerkenswert. Allen voran gehen die Spanier mit durchschnittlich 105 Kilogramm pro Kopf im Jahr 2022. Nordmazedonien bildet mit nur 42 Kilogramm das positive Schlusslicht. Deutschland lag mit knapp 71,4 Kilo pro Kopf nur wenig über der zweitniedrigsten Kategorie. Das Ergebnis, jenseits von Europas Grenzen, mit 122 Kilo pro Kopf verwundert niemanden beim “Titelträger” USA. Wie wird es mit dem Fleischverzehr weitergehen?
Was können die möglichen Gründe für regionale Unterschiede beim Fleischverzehr sein?
Die zwei maßgeblichen Gründe sind das Preisniveau und natürlich die Essgewohnheiten. Spanien hat verknüpft eine eher fleischlastige Küche mit den niedrigsten Preisen für Schweinefleisch in Europa. Das Kilo Schweinefleisch kostete im Jahr 2022 in Spanien ab Schlachthof 1,61 Euro. Zum Vergleich: In Deutschland fallen 1,78 Euro an und beim Spitzenreiter Schweden werden 2,08 Euro berechnet.
Fleisch ist im Vergleich zum heimisch produzierten Gemüse auf dem Balkan vergleichsweise teuer. Für große Teile der Bevölkerung auf dem Balkan und der Türkei gilt Fleisch inzwischen als Luxusgut. In der Türkei kommt hinzu, dass das anderen Fleischsorten gegenüber vergleichsweise billige Schweinefleisch aus religiösen Gründen nicht im Angebot ist. So ist es kein Wunder, dass die Gerichte in dieser Region eher pflanzenlastig sind. Der Nutzgarten hinter dem Haus ist weiter verbreitet als in Deutschland.
In Nord-Mazedonien gehört zum täglichen Mittagessen zwar Hackfleisch, anders als beispielsweise in Deutschland, aber in der Summe kommt es auf die Menge an, die pro Kopf im Jahr verspeist wird.
Ökologische Tierhaltung – eine Alternative zur veganen oder vegetarischen Ernährung?
Die Antworten auf die Frage, weshalb sich Menschen fleischlos oder komplett vegan ernähren, fallen recht unterschiedlich aus. Bezüglich der vegetarischen Ernährung empfindet der oder die eine oder andere aufgrund der Haltungs-, Transport- und Schlachtbedingungen ein schlechtes Gewissen den Tieren gegenüber. Verfechter einer fleischhaltigen Ernährung könnten jetzt argumentieren, dass es durchaus Haltungsformen gibt, welche dem Tierwohl gerecht werden. Die Zahlen zur ökologischen Tierhaltung sind allerdings genauso deprimierend wie die klassische Haltung schlecht hin. In der EU wurden im Jahr 2022 gerade einmal sieben Prozent des Rinderbestandes und ein Prozent des Schweinebestandes nach ökologischen Grundlagen gehalten (Destatis / Eurostat).
Statistik widerlegt Ernährungsklischees
Der Begriff “Mediterrane Diät” mag durchaus geläufig sein. Damit ist eine Küche gemeint, die einen hohen Bestandteil an Gemüse, Salaten und Fisch aufweist, Fleisch dagegen weniger stark gewichtet. Schade, dass die Franzosen, Spanier, Portugiesen und Kroaten das noch nicht wissen. Bei den Italienern hat es sich zumindest partiell herumgesprochen, ebenso in den Balkanländern und der Türkei. Dass die Schweiz in diesem Kontext mehr “Mittelmeer’” ist als ihre Nachbarn Frankreich und Italien, hat ein gewisses Unterhaltungsmoment. Verbinden doch viele Menschen mit der Schweiz Kühe und Kuhglocken auf Bergwiesen, mit Italien und Frankreich eher die Fischplatten.
Entwicklung des Fleischkonsums in Deutschland im Vergleich zum Rest der Welt
In der Zeit zwischen 2010 und 2022 sank der Fleischkonsum in Deutschland laut Statista von 86,2 Kilo pro Kopf auf 70,6 Kilo. Weltweit sieht die Entwicklung allerdings etwas anders aus:
| 2002 | 2012 | 2022 | Veränderung
2002-2022 |
|
| Schlachtgewicht in Millionen Tonnen | in Prozent | |||
| Insgesamt | 243 | 307,5 | 360,6 | 48 |
| davon: | ||||
| Geflügel | 74,6 | 107,2 | 139,2 | 87 |
| Schwein | 92,4 | 112,3 | 122,6 | 33 |
| Rind | 55,8 | 62 | 69,3 | 24 |
| Andere | 20,1 | 26 | 29,5 | 46 |
Quelle: FAO (“Production”/”Crops and livestock products”/”Livestock Primary”)
Die Zahl der Weltbevölkerung stieg im Vergleichszeitraum von rund 6,3 Mrd. Menschen auf 8,02 Milliarden, ein Plus von 27,3 Prozent. Der Fleischkonsum stieg somit global überproportional zum Bevölkerungswachstum.
Wie wird sich der Fleischkonsum weiter entwickeln?
Mark Twain hat einmal gesagt, Prognosen sind schwierig, vor allem wenn sie die Zukunft betreffen. Zumindest für West- und Mitteleuropa und auch für die USA lässt sich vermuten, dass der Trend zur fleischfreien Ernährung anhalten und auch anwachsen wird. Zwar gab es in Deutschland im Jahr 2023 gegenüber 2022 rückläufige Zahlen bei den Veganern, allerdings weisen die meisten Zeitreihen auch einmal kurzfristige Umkehrungen bei den Datenverläufen auf. In Österreich ist der Anteil der Veganer an der Bevölkerung von drei auf fünf Prozent im Jahr 2024 gestiegen. Italien weist einen Anteil von 2,4 Prozent an Veganern auf, Großbritannien und Deutschland drei Prozent. Die Kurve deutet nach oben, der Fleischkonsum eher nach unten.