Die Weltbank hat sich einmal die Mühe gemacht und analysiert, welches Land im Jahr 2023 wie viel Speiseeis exportierte. Italien, quasi als Mutterland des Speiseeises betrachtet, war dabei bei weitem nicht in der Spitzengruppe vertreten. Gleiches gilt für die USA mit den riesigen Verkaufsflächen für Eiscreme in den dortigen Supermärkten. Beide Länder konsumieren lieber selbst, als zu exportieren. China, die tatsächliche Wiege des Speiseeises spielt ebenfalls nur eine untergeordnete Rolle und exportierte gerade einmal 21.000 Tonnen (Quelle: Weltbank)
Deutschland bei industrieller Fertigung weit vorne
Auch wenn die Erfindung von Eiscreme im antiken China stattfand, assoziieren wir (fast) immer Italien mit “gelato”, einschließlich des Irrglaubens, dass italienisches Eis den Rest der Welt eroberte. Auch wenn Motta ein italienisches Unternehmen ist und Langnese unter dem Markennamen “Algida” seine Produkte verkauft, dominiert auf dem Stiefel nach wie vor das “gelato artigianale”, das handwerklich zubereitete Eis. Die Italiener schwören auf die Handwerkskunst “ihrer” Eisdiele. Die Menschentrauben, die sich ab dem Frühling am späteren Nachmittag bis in die Nacht hinein davor bilden, sind der Beweis. Dagegen wirkt der Anteil der Eisdielen in Deutschland mit einem Marktanteil bei der Herstellung von 14,75 Prozent im Jahr 2022 gegenüber den 82,5 Prozent Anteil industriell gefertigten Eises verschwindend gering (Quelle: Statista).
Auch wenn Deutschland Exportweltmeister beim Eis ist, sind andere Zahlen aus Italien eigentlich noch beeindruckender. Von den europaweit 65.000 Eisdielen mit rund 300.000 Beschäftigten im Jahr 2024 entfielen auf Italien 39.000 Verkaufsstellen, die handwerklich gefertigtes Eis anboten, 60 Prozent des europäischen Aufkommens. Dazu zählten neben Eisdielen auch Bars oder Konditoreien. Deutschland folgte mit bescheidenen 9.000 Verkaufsstellen immerhin auf Platz zwei, von denen es sich bei 3.300 um echte Eisdielen handelte (Quelle: gelato-day.it)
Deutschland mit niedrigsten Produktionskosten beim Speiseeis
Einer der Gründe für hohe Exportquoten ist in der Regel der Preis einer Ware im Ausland. Dieser richtet sich unter anderem nach den Herstellungskosten im Inland. Und da kann Deutschland absolut punkten. Im Jahr 2023 produzierten die deutschen Hersteller den Liter Eis für durchschnittlich 1,80 Euro. In Frankreich beliefen sich die Produktionskosten auf 2,20 und in Italien auf 2,60. Am teuersten war die Eisherstellung in Österreich. Die Produktionskosten schlugen dort mit 7,70 Euro pro Liter zu Buche, gefolgt von Ungarn mit 4,80 Euro. Was die niedrigsten Herstellungskosten betraf, lag Litauen mit 1,90 Euro pro Liter auf Rang zwei, gefolgt von Tschechien mit zwei Euro (formatresearch).
Die Weltbank hat in ihrer Statistik auch die Frage beantwortet, welches Land im Jahr 2023 den niedrigsten Eiscremeexport aufgewiesen hat. Der Sultan von Brunei verdient sein Vermögen mit Erdgas und diversen Bodenschätzen, nicht mit den 51 Kilogramm Speiseeis, welches das Land exportierte. Dies war gerade einmal ein Drittel dessen, was der vorletzte, das zentralafrikanische Gabun, in das Ausland verkaufte.