Wer die deutsche Staatsbürgerschaft erwerben möchte, benötigt unter anderem nicht nur den Nachweis für das Sprachniveau B1, sondern auch einen langen Atem. Je nachdem, in welcher Region in Deutschland der Antrag auf Einbürgerung gestellt wird, beträgt die Wartezeit zwischen sechs und neun Monaten (Leipzig), 26 bis 30 Monate in Frankfurt und in Berlin steht einfach alles in den Sternen. Wie kommt es, dass in Millionenstädten wie Hamburg oder München die Wartezeit im Vergleich zu Frankfurt am Main vergleichsweise übersichtlich ist?
Laut Aussage des Regierungspräsidiums Darmstadt liegt die Ursache noch bei den Auswirkungen der Coronapandemie. Das Regierungspräsidium Darmstadt, das auch für die Stadt Frankfurt am Main zuständig ist, hatte die hessenweite Bearbeitung der Entschädigungsanträge nach dem Infektionsschutzgesetz übernommen. Damit kam es zu einem Personalengpass (Quelle: RP Darmstadt). Ganz schlüssig ist diese Argumentation jedoch nicht. Die schnellste Bearbeitungsdauer wurde nämlich in der Stadt Offenbach erreicht – ebenfalls dem RP Darmstadt zugeordnet und direkt an Frankfurt angrenzend.
Was sind die Einbürgerungsvoraussetzungen?
In ihrem Lied “Sascha” aus dem Jahr 1993 sangen die Toten Hosen “Der Sascha, der ist Deutscher und deutsch sein, das ist schwer. So deutsch wie der Sascha wird man nicht nebenher.” Auch wenn das Lied auf einen anderen Hintergrund abzielt, die deutsche Staatsbürgerschaft ist durchaus an Voraussetzungen geknüpft:
- Mindestens fünf Jahre dauerhafter und legaler Aufenthalt in Deutschland
- unbefristetes oder auf Dauer angelegtes Aufenthaltsrecht
- Keine Vorstrafe
- eigenständige Sicherung des Lebensunterhaltes
- Bestandener Sprachtest Level B1
- Bestandener Einbürgerungstest
- Bekenntnis zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung
- Bekenntnis zur historischen Verantwortung Deutschlands durch den Nationalsozialismus
Wo gab es im Jahr 2024 die meisten Einbürgerungen?
Das Statistische Bundesamt (Destatis) bricht die Zahlen leider nicht auf die Kommunen herunter. Ein Blick auf die Länder ist aber auch vielversprechend:
| Bund / Bundesland / ausländische Vertretungen | Anzahl Einbürgerungen |
|---|---|
| Deutschland | 292 020 |
| Baden-Württemberg | 37 805 |
| Bayern | 54 520 |
| Berlin | 21 810 |
| Brandenburg | 3 770 |
| Bremen | 4 640 |
| Hamburg | 9 600 |
| Hessen | 24 915 |
| Mecklenburg-Vorpommern | 1 840 |
| Niedersachsen | 23 380 |
| Nordrhein-Westfalen | 68 705 |
| Rheinland-Pfalz | 12 265 |
| Saarland | 2 785 |
| Sachsen | 4 410 |
| Sachsen-Anhalt | 2 815 |
| Schleswig-Holstein | 8 590 |
| Thüringen | 2 640 |
| Ausland | 7 530 |
Einbürgerungen
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(Quelle: Destatis)
Nordrhein-Westfalen ist nicht nur das Bundesland mit der meisten Bevölkerung, es verzeichnet auch die meisten Anträge auf Einbürgerung. Dennoch gelingt es beispielsweise der Stadt Köln, die Bearbeitungsdauer auf 20 Monate, der Stadt Dortmund die Wartezeit auf 22 Monate zu begrenzen. Bayern weist bundesweit die zweithöchste Anzahl an Einbürgerungsanträgen auf, die Metropole München liegt mit 18 Monaten Bearbeitung aber im Vergleich zu Frankfurt und Berlin in einem moderaten Rahmen.
Zur Entschuldigung der offenkundig im Jahr 2025 völlig überlasteten Kommunen müssen wir anführen, dass die Zahl der Einbürgerungsanträge gegenüber dem Vorjahr um 46 Prozent (91.000 Anträge) gestiegen ist.
Woher stammen die meisten Menschen mit Einbürgerungsantrag?
Bei dieser hohen Anzahl an Einbürgerungsanträgen stellt sich die Frage, ob es hier eine Konzentration auf wenige Staaten gibt, oder ob es sich um eine globale Verteilung nach dem Gießkannenprinzip handelt. Wir dürfen nicht vergessen, dass ein Asylantrag nicht automatisch den Wunsch nach Einbürgerung bedeutet. Hier die Liste der Herkunftsländer mit den meisten Einbürgerungsanträgen im Jahr 2024:
| Herkunftsland | Antragstellende | in Prozent der Gesamtzahl |
|---|---|---|
| Syrien | 83.15 | 28 |
| Türkei | 22.525 | 8 |
| Irak | 13.545 | 5 |
| Russland | 12.98 | 4 |
| Afghanistan | 10.085 | 3 |
Die Zahl der Einbürgerungsanträge von russischen Antragstellenden gegenüber dem Jahr 2023 stieg explosionsartig um 551 Prozent (1.995 im Jahr 2023). Türkische Antragstellende sorgten ebenfalls für ein deutliches Plus von 11.790 Anträgen (+ 110 %). Dabei fällt auch auf, dass die Aufenthaltsdauer der türkischen Antragstellenden in Deutschland bis zum Tag des Antrags im Durchschnitt bei 23,1 Jahren lag. Syrische Antragstellende hielten sich im Mittel nur 7,4 Jahre vom Zeitpunkt der Ankunft in Deutschland bis zum Datum des Einbürgerungsantrages auf (Quelle: Destatis).