E-Scooter entwickeln sich langsam zu gefährlichen Fahrzeugen auf deutschen Straßen. Die Unfallzahlen für E-Scooter steigen kontinuierlich, besonders in den Sommermonaten, wenn das Wetter zur Nutzung einlädt. Kaum ein Verkehrsmittel spaltet aus diesem und aus anderen Gründen die Republik so sehr wie E-Scooter. Die automatisierten Nachfahren der Kick-Boards, auf Deutsch Tretroller, könnten eine echte Bereicherung und Erleichterung im Straßenverkehr sein. Voraussetzung wäre allerdings, dass manche Nutzer und Nutzerinnen anfangen zu verstehen, dass “klein” kein Synonym für Anarchie ist.
Nutzung sorgt immer wieder für Ärger
E-Scooter sind beliebte Leih-Fahrzeuge. In Deutschland stieg die Zahl auf 210.000 im Jahr 2023. Der Nachteil für einen Großteil der Bevölkerung bei verliehenen E-Scootern ist allerdings, dass diese nicht wie ein klassischer Leihwagen an einer Leihstation wieder abgegeben werden müssen. Nach der Nutzung kann er dort stehen gelassen werden, wo der Nutzungsbedarf aufhört. Leider ist es oft genug der Fall, dass es sich bei den Parkplätzen um Fahrradwege, Fußgängerwege oder sonstige Flächen handelt, die eigentlich eher ungünstig sind. In Berlin und Paris führte der Unmut über derart störend geparkte E-Scooter dazu, dass immer häufiger Roller in die Seine oder in die Spree geworfen wurden.
Ein anderes Ärgernis ist, und damit kommen wir dem eigentlichen Thema “Unfälle mit E-Scootern” näher, die Nutzung. Bürgersteige und Fußgängerzonen werden oft genug für die Fortbewegung mit den flotten Rollern genutzt, verboten und riskant genug für Passanten und Rollerfahrer*innen.
Unterschiedliche Altersvorgaben für Leihe und Eigentum
Nicht selten spielt jugendlicher Übermut bei der Unfallursache eine Rolle. Während die Volljährigkeit Voraussetzung für die Leihe eines E-Rollers ist, dürfen eigene E-Scooter bereits mit 14 Jahren gefahren werden. Ohne den jungen Menschen zu nahe treten zu wollen, aber der Verantwortungsbegriff ist in diesem Alter noch nicht sehr stark ausgeprägt. Die Tatsache, dass die Mitnahme einer zweiten Person auf dem Scooter verboten ist, mag darüber hinaus von manchen Nutzer*innen als Verhaltensvorschlag, nicht aber als gesetzliche Regelung interpretiert werden.
Ungleichgewicht bei Unfallverteilung zwischen Leih- und eigenen Scootern
Laut dem Gesamtverband Deutsche Versicherungswirtschaft (GdV) gibt es ein enormes Ungleichgewicht bei der Unfallverteilung. Obwohl Leihscooter nur 20 Prozent des Gesamtbestandes in Deutschland ausmachen, sind sie in 39 Prozent der Unfälle verwickelt. In anderen Zahlen ausgedrückt, auf 100 Leihscooter kamen im Jahr 2023 immerhin 0,9 Unfälle, auf 100 eigene Scooter dagegen nur 0,4 (Quelle: GdV). Der GdV macht einen klaren Unterschied zwischen Scooter-Besitzer*innen und denjenigen, die Scooter leihen, aus. Der Eigentümer oder die Eigentümerin ist über 30 Jahre alt, fährt fast täglich, nutzt Straßen und Radwege und trägt einen Helm. Die Ausleihenden sind jung, Gelegenheitsfahrer und -fahrerinnen, tragen keine Helme und fahren häufig verbotenerweise auf Gehwegen.
Junge Fahrer*innen häufiger in Unfälle verwickelt
Laut Tagesschau waren über 50 Prozent der Verunglückten jünger als 25 Jahre. Falsche Nutzung von Rad- und Fußgängerwegen wurden bei 21 Prozent der Unfälle als Ursache festgestellt, Alkohol bei zwölf Prozent (gegenüber acht Prozent alkoholbedingter Unfälle bei Radfahrern). 30 Prozent der Unfälle galten als sogenannte “Alleinunfälle” während über 50 Prozent ihre Ursache in einer Kollision mit anderen Verkehrsteilnehmern hatten.
Mangelnde Routine häufig Unfallauslöser
Die Tatsache, dass E-Scooter für recht günstiges Geld, die Freischaltgebühr beträgt ca. einen Euro, die Nutzungsgebühr zwischen 18 und 25 Cent pro Minute, zu leihen sind, machen sie zu einer interessanten Alternative gegenüber zu spät kommenden und überfüllten Bussen und Bahnen im öffentlichen Personennahverkehr. Ein Ticket für eine Kurzstrecke im Rhein-Main-Verkehrsverbund beispielsweise kostet im Vergleich 2,35 Euro und in den seltensten Fällen kommt man direkt am Ziel an. Der Scooter ist in diesem Fall billiger, fährt rund um die Uhr und hält direkt am Ziel. Wer allerdings nur ab und zu auf einen E-Roller zurückgreift, hat ganz klar nur wenig Übung. Möglicherweise ändert sich das aber im Laufe der Zeit, da der Bestand an E-Rollern im Eigenbesitz von 2023 bis 2024 um fast 35 Prozent zugenommen hat.