Die deutschen Preisträger*innen des Nobelpreises

Die deutschen Preisträger*innen des Nobelpreises

Waren deutsche Wissenschaftler*innen, Literat*innen und Friedensbemühte Anfang des 20. Jahrhunderts noch öfter in Oslo und Stockholm zur Preisverleihung eingeladen, wurden diese Reisen auch lange nach Ende des Zweiten Weltkrieges deutlich übersichtlicher. Insgesamt wurden 103 Menschen mit deutschen Wurzeln mit einem Nobelpreis und einmal mit dem Alfred-Nobel-Gedächtnispreis ausgezeichnet. Die Differenzierung erfolgt deswegen, da Henry Kissinger, ehemaliger US-Außenminister, in Deutschland geboren wurde.

Die Verteilung auf die fünf Kerngebiete und den Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften gestaltet sich Stand März 2025 aus deutscher Sicht folgendermaßen:

  • Literatur: 10
  • Friedensnobelpreis: 6
  • Chemie: 33
  • Physik: 30
  • Physiologie und Medizin: 24
  • Wirtschaftswissenschaften: 1

Quelle: Wikipedia

Zu den bekanntesten deutschen Preisträgern zählen Willy Brandt, Henry Kissinger, Günter Grass, Thomas Mann, Wilhelm Conrad Röntgen und Albert Einstein. 

Die Geschichte des Nobelpreises

Der Nobelpreis wurde im Jahr 1900 begründet und im Jahr 1901 erstmalig verliehen. Alfred Nobel hatte testamentarisch verfügt, dass sein Erbe in eine Stiftung gewandelt wird, aus deren Zinsen einmal im Jahr die Menschen geehrt werden, die in den oben aufgeführten fünf Kernkategorien “im verflossenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen geleistet haben“.

Die Nobelpreise sind seit 2023 mit einem Preisgeld in Höhe von elf Millionen Schwedenkronen, 1.004.000 Euro, dotiert und können auf mehrere Preisträger verteilt werden. Gerade in den Naturwissenschaften ist es keine Seltenheit, dass es in einer Kategorie mehrere Preisträger gibt. Weshalb Nobels Wahl auf die bekannten Disziplinen gefallen ist, lässt sich im Übrigen nicht mehr nachvollziehen. 

Bis auf den Friedensnobelpreis, der in Oslo verliehen wird, finden alle anderen Preisverleihungen im Geburtsland Nobels, Schweden, in Stockholm statt. 

Willy Brandts historischer Kniefall

Eine der vermutlich herausragenden Ehrungen war die Willy Brandts für seine Ostpolitik. Das Europa der 60er und 70er Jahre war politisch immer noch, teils offen, teils unterschwellig, von der Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg geprägt. Unsere osteuropäischen Nachbarn, allen voran Polen, hatten nach wie vor massive Probleme nach dem deutschen Überfall ihren Frieden mit Deutschland zu schließen. Für die DDR galten dabei mildere Maßstäbe als für die Bundesrepublik, immerhin leistete das Land bis zum Mauerfall Reparationszahlungen an die UdSSR. Die BRD war das Vorzeigekind Europas und repräsentierte das Wirtschaftswunder. Um so schwieriger war es, die Kluft zwischen Ost und West zu überwinden. Willy Brandts Bemühungen, das Verhältnis zwischen Polen und Deutschland wieder zu normalisieren, führten zu dem bei einer Kranzniederlegung in Warschau protokollarisch nicht vorgesehenen Kniefall mit der Bitte um Vergebung der deutschen Verbrechen.. Damit hatte Brandt für die Normalisierung des Ost-West-Verhältnisses mehr erreicht, als viele politische Gespräche zuvor.  

Gender-Gap auch beim Nobelpreis

Generell fällt die Anzahl der Preisträgerinnen sehr übersichtlich aus. Die Tagesschau hat dies am Beispiel des Physik-Nobelpreises festgemacht. Nur 6,6 Prozent der Preisträgerinnen sind Frauen. Den 220 Männern stehen fünf Frauen gegenüber.

104 verliehene Auszeichnungen und nur zwei für Frauen. Eine davon für den Literaturnobelpreis, die andere im Jahr 1995 für Medizin. Die Tatsache, dass sich nur eine Frau unter den Naturwissenschaften findet, dürfte mit der Tatsache korrelieren, dass die sogenannten MINT-Studiengänge nach wie vor Männerdomänen sind. Die Annahme, dass zumindest im medizinischen Bereich eine deutlichere Dichte herrschen könnte, lässt sich allerdings auch wieder mit klassischen Rollenmustern belegen. Für die Arbeit als Ärztin mag neben der Familie Zeit sein, für die maximal zeitintensive Forschung jedoch bleibt bei den meisten Medizinerinnen wenig Spielraum. 

Es gibt aber noch andere Gründe, die eine Rolle spielen. In den frühen Jahren der Preisverleihung war es eher unüblich, dass Frauen studierten, Gelehrte wurden und forschten. Die Zahl der weiblichen Preisträger stieg in den letzten 20 Jahren durchaus an. Die Preise entfielen in der Mehrzahl auf die Bereiche Friedensarbeit und Literatur. Wie die Tagesschau in ihrem Beitrag auch betont, ist einer der Gründe für die fehlenden Nominierungen die Tatsache, dass Frauen in der Wissenschaft seltener zitiert werden und damit eine geringere Aufmerksamkeit erfahren. 

Agnes Wold von der Universität Göteborg untersuchte schon im Jahr 1995, wie der schwedische Forschungsrat Bewerbungen auf eine Post-Doc-Stelle einstufte. Die Ergebnisse lassen sich laut Wold auch auf Bewerbungen für den Nobelpreis übertragen. Den Gedankengängen liegen, so Wold, schlichte männliche Machtstrukturen zugrunde. Frauen publizieren angeblich schlechter, forschen auf langweiligen Gebieten und schreiben die schlechteren Forschungsanträge. Nachweisbar war, dass Frauen 2,6 Mal mehr publiziert haben mussten, um annähernd die gleichen Chancen zu erhalten (Quelle: Deutschlandfunk).  

Eine Studie aus dem Jahr 2022, publiziert in der Zeitschrift “Nature”, belegt, dass systematisch die Anerkennung verweigert wird. Bei Veröffentlichungen von Forschungsergebnissen tauchen ihre Namen nicht auf, die Artikel von Frauen lassen männliche Kollegen gerne “unter den Tisch” fallen. Das prominenteste Beispiel für weibliche Diskriminierung in den Naturwissenschaften ist Ilse Meitner. Otto Hahn gilt gemeinhin als der Entdecker der Kernspaltung. Er erhielt dafür den Nobelpreis. Ilse Meitner, die mit ihm gemeinsam forschte und die Entdeckung machte, ging leer aus. Wie bei den anderen 48 Nominierungen, die ihr zuteil wurden (Quelle: Rheinische Post).  

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