Das Auto, ehemals der Deutschen liebstes Kind, gerät immer mehr ins Abseits. Kommunen arbeiten an Konzepten, wie die Innenstädte autofrei und für Radfahrer und Fußgänger attraktiver werden können. Der Führerschein, für die Boomer-Generation noch ein absolutes Muss, spielt bei der Gen Z eine immer untergeordnetere Rolle. Wird es für die Autofahrer in Deutschland düster? Wir haben geschaut, in welchen Städten mit mehr als 500.000 Einwohner*innen Autofahrende noch mit dem meisten Service rechnen können.
Tankstellen und Bankfilialen – die Schließungen gehen weiter
Bankfilialen und Tankstellennetze waren in den vergangenen Jahrzehnten am stärksten von Schließungen betroffen. Längst sind die Zeiten vorbei, in denen es in jedem Dorf eine Versicherungsagentur, eine Bank und natürlich die Tankstelle mit angeschlossener Werkstatt gab. KA-Insider berichtete im Mai 2024, dass alle 815 Jet-Tankstellen in Deutschland zum Verkauf stehen. Nicht viel besser ist es um Shell bestellt. Länderübergreifend will Shell bis 2026 rund 1.000 Tankstellen schließen und durch Ladestationen ersetzen (Quelle: Auto-Motor-Sport).
Auch bei den Kfz-Werkstätten, und damit bei den Autobesitzenden, sah die Lage in den vergangenen Jahren eher düster aus. Bundesweit schlossen im ersten Halbjahr 2024 von den im Kfz-Gewerbe tätigen Betrieben 218 die Garagentore, im Jahr 2023 waren es 490 Firmen. Die Zahl der Insolvenzen stieg damit in der Kfz-Branche um 18,6 Prozent gegenüber dem Jahr 2022 (Quelle: statista).
Die Prognose, welche die Fachzeitung Automobilwoche im Jahr 2023 aufgestellt hat, ist nicht viel erfreulicher. Bis zum Jahr 2030 sagen die Experten einen Rückgang der freien Werkstätten um 20 Prozent voraus.
Unsere Serviceanalyse schließt “alles rund um’s Auto” ein, auch Parkplätze, Autoversicherungen vor Ort oder Fahrschulen. Bei den letzteren ist die Lage etwas unübersichtlich. Sie klagen zum einen über einen deutlichen Rückgang an Führerscheininteressenten. Auf der anderen Seite hat eine Analyse von Datapart-Factoring gegensätzliches ergeben. Für das erste Halbjahr 2024 vermeldeten 51 Prozent der befragten Fahrschulen eine Vollauslastung, klagten jedoch über gestiegene Kosten und Fahrlehrermangel.
In Hamburg leben Autofahrer am besten
Betrachten wir die Summe aller Dienstleistungen und Angebote rund um das Auto, ist Hamburg zweifelsfrei das deutsche Autofahrerparadies, gefolgt von Düsseldorf, Duisburg, Dresden und Köln. Danach gibt es jedoch einen gravierenden Einschnitt bei unserem Autofreundlichkeitsrating. Hannover liegt mit fast drei Punkten Rückstand auf Platz sechs. München, der Sitz von Deutschlands Nobelautobauer BMW, kommt nur abgeschlagen auf den letzten, den 15. Platz.
Hamburg bietet 215.000 öffentliche Parkplätze, in Frankfurt stehen in 32 Parkgroßgaragen 18.000 Stellplätze zur Verfügung. München kommt mit Parkhausstellplätzen auf 7.400 (Quelle: fertiggarageninfo) und zusätzlichen 14.000 P&R-Plätze (Quelle: parkundride).
Wie sind die Zukunftsaussichten für Autofahrende in deutschen Großstädten?
Unabhängig von der Autofreundlichkeit einer Großstadt geht der Trend, nicht nur in Deutschland, zu einer größeren Entlastung der Städte. Ein Rückzug der Autos wird allerdings auch mit einem Rückzug der mit dem Kfz verbundenen Branchen einhergehen. So sind die Prognosen zur Schließung von Kfz-Werkstätten sicherlich fundiert. Das unter dem Strich nachlassende Interesse an Führerscheinen trägt ebenfalls seinen Teil zu einer Entlastung, und damit einem Rückgang der automobilabhängigen Wirtschaftszweige bei.