Wann junge Erwachsene ausziehen

Europakarte mit jeweils dem durchschnittlich Auszugsalter von jungen Erwachsenen.

Wer in Europa in jungen Jahren auf eigenen Beinen stehen möchte, muss je nach Land ganz unterschiedliche Hürden überwinden. Laut aktuellen Eurostat-Daten ziehen junge Menschen im Schnitt mit etwa 26 Jahren aus dem Elternhaus aus, doch das Alter unterscheidet sich maßgeblich. 

Regionale Unterschiede

Der Blick auf die Karte zeigt deutlich: In Skandinavien verlassen Erwachsene das Elternhaus am jüngsten. In Finnland, Dänemark und Schweden liegt das durchschnittliche Auszugsalter bei rund 21 Jahren. 

Ganz anders stellt sich die Situation in Süd- und Osteuropa dar. Das höchste Auszugsalter verzeichnet Kroatien mit rund 31 Jahren. Auch in Italien, der Slowakei oder Griechenland bleiben viele junge Menschen bis zum 30. Lebensjahr im Elternhaus. Neben traditionellen und kulturellen Faktoren sind es vor allem die wirtschaftlichen Gegebenheiten, darunter eine hohe Jugendarbeitslosigkeit und begrenzte, teure Miet- und Wohnungsangebote in den Metropolen, die einen früheren Auszug praktisch unmöglich machen (de.euronews.com). 

Deutschland liegt mit einem durchschnittlichen Auszugsalter von 23,9 Jahren deutlich unter dem EU-Schnitt. Dennoch zeigt sich auch hier der Trend zu einem späteren Auszug aus dem Elternhaus. Laut Mikrozensus lebten 2024 noch rund 28 Prozent der 25-Jährigen bei ihren Eltern, ein Anteil, der zuletzt sogar leicht gestiegen ist (tagesschau.de). 

Wirtschaftliche Realität und Gender-Gap

Der Wunsch nach früher Selbstständigkeit kollidiert vielerorts mit der wirtschaftlichen Realität. Wer keine existenzsichernde Arbeit findet oder kein WG-Zimmer bezahlen kann, bleibt aus Kostengründen länger im sprichwörtlichen „Hotel Mama“. Die Wohnkosten sind dabei ein entscheidender Faktor. Zwischen 2010 und dem ersten Quartal 2025 sind die Mietpreise in der EU im Durchschnitt um 27,8 Prozent gestiegen (europarl.europa.eu). Laut Eurostat spielen darüber hinaus weitere Faktoren eine Rolle, wie der Beziehungsstatus, die Situation auf dem Arbeitsmarkt, kulturelle Gewohnheiten sowie die allgemeinen Lebenshaltungskosten. 

Besonders auffällig ist jedoch der europaweite Geschlechterunterschied: Frauen wagen den Schritt zur eigenen Wohnung nachweislich früher als Männer. Durchschnittlich verlassen junge Europäerinnen ihr Elternhaus 2 Jahre früher als junge Europäer (de.euronews.com). 

Reformbedarf für Perspektiven

Das Auszugsalter in Europa ist ein wichtiger Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen. Sie legen offen, inwiefern die Rahmenbedingungen für junge Menschen (sei es bei der Wohnraumpolitik oder der Arbeitsmarktförderung) besonders unterstützend sind oder ob signifikante Herausforderungen bestehen. Dies unterstreicht die Notwendigkeit, die strukturellen Voraussetzungen weiter zu verbessern, damit junge Menschen ihren Weg in die Selbstständigkeit sorgenfrei antreten können.

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