Deutschland sieht sich gerne an der Spitze in Europa. Leider ist das Land aber auch negativen Sachverhalten immer wieder einmal “vorne dabei”. Beim Alkoholkonsum pro Kopf haben es die Deutschen immerhin auf den fünften Platz geschafft, noch vor den eigentlich für ihre Trinkfreude bekannten Briten und Iren. Leberschäden, Bluthochdruck und die Gefahr der Abhängigkeit sind die Schattenseiten des Alkoholkonsums. Welche Auswirkungen hat der Alkohol auf das tägliche Leben?
Alkoholkonsum hat direkte volkswirtschaftliche Konsequenzen
Die durch Alkoholmissbrauch entstehenden Kosten sollten keinesfalls unterschätzt werden. Durch den Missbrauch erwuchsen im Jahr 2022 in Deutschland 16,6 Milliarden Euro direkte Aufwendungen. Der Löwenanteil mit 13,7 Milliarden Euro entfiel auf die Krankheitskosten, gefolgt von zwei Milliarden Euro für die Pflege von alkoholkranken Menschen (Quelle: Statista). Laut Bundesgesundheitsministerium summierten sich alle Kosten im Jahr 2024 allerdings auf rund 57 Milliarden Euro. Hier sind beispielsweise Produktionsausfälle, vorzeitiger Renteneintritt oder alkoholbedingte Sterblichkeit mit berücksichtigt (Quelle: BMGS). Laut dem Alkoholkompass des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) starben im Jahr 2020 in Deutschland 14.200 Menschen an Krankheiten, deren einziger Auslöser Alkohol war (Quelle: BMGS).
Kritische Zahlen bei der Bevölkerung
Ein Blick auf die Zahl der Menschen, deren Umgang mit Alkohol als kritisch einzustufen ist, gibt zu denken. Im Jahr 2024 konsumierten in Deutschland 7,9 Millionen Menschen in der Gruppe der 18- bis 64-Jährigen Alkohol in einer Menge, die als kritisch gilt. Im Jahr 2021 lag der Konsum bei neun Millionen Menschen im problematischen Bereich. Problematisch heißt, dass es bereits zu körperlichen, psychischen oder sozialen Störungen kommt. Kritisch heißt, dass der Alkohol ein erhöhtes Risiko für gesundheitliche oder soziale Störungen bedeuten kann.
Auch wenn die Tendenz, wie aus der Grafik ersichtlich, rückläufig ist, unterschätzen immer noch zu viele Deutsche, welche Konsequenzen der regelmäßige Alkoholkonsum haben kann. Gesellschaftlich ist Alkohol keine “Risikodroge” wie beispielsweise Kokain, sondern das Gläschen Sekt oder das Bier am Feierabend gehören einfach dazu.
Der großzügige Umgang mit Alkohol zeigt sich auch in der Tatsache, dass Bier und Wein bereits von Minderjährigen konsumiert werden dürfen, Bier in Bayern nicht als Lebensmittel wie in Deutschland allgemein, sondern als Grundnahrungsmittel gilt.
Die Zahlen aus Deutschland sind umso bemerkenswerter, als beispielsweise in Italien das Glas Wein in der Mittagspause, teilweise schon früher, ebenso “dazu gehört”, wie der Aperitivo beim Giro am späten Nachmittag. Dennoch lag Italien quasi abgeschlagen mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von acht Litern im Jahr 2019 auf Rang 35 in Europa (Quelle: Statista).
Wie könnte sich der Alkoholkonsum in der Zukunft entwickeln?
Betrachten wir das liebste alkoholhaltige Getränk der Deutschen, das Bier, sieht die Zukunft für die Brauereien trüb, für die Krankenkassen rosig aus. Der Bierkonsum ist von 11,2 Milliarden Litern im Jahr 2003 um 25,3 Prozent auf 8,4 Milliarden Liter geschrumpft (Quelle: Tagesschau). Aber nicht nur der Bierkonsum dürfte bei den Gesundheitsverantwortlichen Grund zur Freude sein. Auch die Jugendlichen ziehen immer mehr alkoholfreie Getränke vor. Einer Umfrage aus dem Jahr 2022 tranken damals 8,7 Prozent der 12- bis 17-Jährigen mindestens einmal in der Woche Alkohol. Diese Zahl liegt deutlich unter den Werten von 2011 mit deutlichen 14 Prozent. In der Altersgruppe von 18 bis 25 Jahren ist ebenfalls ein rückläufiger Trend zu beobachten. Hier sank die Zahl derjenigen mit regelmäßigem Alkoholkonsum im gleichen Beobachtungszeitraum von 40 Prozent auf 32 Prozent. Möglicherweise wird Deutschland in der Rubrik Alkoholkonsum eines Tages doch nur noch mittelmäßig (Quelle: Tagesschau).